In Gottes Hand

(07.04.2017) — Holger Holtz

Gedanken von Pfarrer Johannes Beyer, Schönebeck. Morgen ist Palmsonntag. Die Karwoche beginnt. Es ist ein Wechselbad der Gefühle für Christen. Übereinstimmend berichten in der Bibel alle 4 Evangelien, was an diesem Tag geschah:

Jesus ist mit seinen Freunden unterwegs nach Jerusalem. Es wird ein Triumphzug ohnegleichen. Die Menschen laufen auf die Straße, um Jesus zu empfangen. Mit frenetischem Jubel begrüßen sie ihn. Heute würde man ihm (vielleicht) einen roten Teppich ausrollen - die Menge damals legte Kleidungsstücke vor ihn hin. Und sie rissen Zweige von den Palmen am Straßenrand und breiteten sie ebenfalls vor ihm aus. So werden Stars empfangen!

Sie setzen große Hoffnungen in ihn: Endlich würde alles gut werden! Vermutlich dachte dabei jeder an etwas anderes, aber einig waren sie sich darin, dass zuerst die verhassten römischen Besatzer weg mussten. Danach dann vielleicht noch die korrupte Oberschicht. Oder der Nachbar, mit dem man ständig Streit hatte. Viele setzten jedenfalls ihre ganze Hoffnung auf diesen Jesus aus Nazareth.

Jesus wurde begrüßt als Erlöser und Befreier. Phantastische Geschichten erzählte man sich von ihm: er hatte Unzählige geheilt und erst wenige Tage zuvor sogar einen Toten wieder lebendig gemacht. Es passte einfach alles. Er musste wirklich der in den alten Schriften angekündigte Messias sein. Ein neuer Stern am Himmel. Ein neuer König, mit dem alles anders werden würde. Und Jesus lässt sich tatsächlich feiern. Ob er es genossen hat oder ob es ihm peinlich war, wissen wir allerdings nicht.

Natürlich - das war nicht anders als heute - gab es auch ein paar, für die viel auf dem Spiel stand, die etwas zu verlieren hatten. Die standen mit dabei, um ihre Chancen auszuloten. Und bald erkannten sie, dass dieser Jesus ihnen gefährlich werden könnte. Selbstverständlich musste der weg! Und so fingen sie an zu tuscheln. Hier eine Bemerkung, da ein paar Halbsätze. Schon bald begann das Gift Wirkung zu zeigen. Die Stimmung drehte sich. Und die ihn eben noch jubelnd gefeiert hatten, würden kurz darauf schreien: Kreuzige ihn!

So ist das auch mit uns. Mal bist du oben, schwimmst auf der Welle des Erfolgs, hast Glück und alles geht dir leicht von der Hand. Und dann zieht dir eine Welle den Boden unter den Füßen weg, dein Leben gerät aus den Fugen und du weißt plötzlich gar nicht mehr, wo oben und unten ist.

Menschen haben einen aus ihrer Mitte gekreuzigt. Einfach so. Obwohl er ahnte, dass sein Ende bevorsteht, war es dann furchtbar. Und sie haben gelacht und gegafft. Es macht diesen Tages nicht leichter, wenn man weiß, das Gott es so gewollt hat und herbei geführt hat. Dass er seinen eigenen Sohn sterben lässt, ist nicht zu verstehen.

Wir müssen es aber auch nicht verstehen, weil Gott generell nicht zu verstehen ist, jedenfalls nicht mit dem Verstand. Gott entzieht sich allen Versuchen, ihn festzunageln auf ein bestimmtes Bild. Er will nicht, dass Menschen sagen: So ist Gott also! Von Gott können wir immer wieder nur begeistert und ehrfürchtig staunend sprechen - ihn begreifen können wir nicht.

Aber wir können immer wieder erfahren, dass wir - egal wie schlimm es kommt und wie tief unser Fall ist - in Gottes Hand landen. Er fängt uns auf, wenn uns das Leben um schmeißt. Das hat auch Jesus erfahren. Seitdem sagen es Christen gerne weiter: Du bist in Gottes Hand - egal, wo du bist und wie es dir gerade geht!

Pfarrer Johannes Beyer, Schönebeck

 


 

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18.11.2017
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
Jesaja 9,1 Titus 2,14

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