Sind Sie zufrieden?

(06.06.2017) — Holger Holtz

Gedanken von Regionalbischof Propst Christoph Hackbeil, Stendal. "Sind Sie zufrieden?" Mit dieser Frage sprach mich auf dem Kirchentag am vergangenen Wochenende ein Mann vor einem Stand an. Ich zuckte erstmal zusammen. Wieso interessiert ihn das? Er sah mich freundlich an und sagte: "Es ist wichtig, dass Sie zufrieden sind. Sind Sie es denn?" Ich musste überlegen. Doch ich bin zufrieden, generell. Mir fehlt nichts. Und gerade in diesem Moment war ich besonders zufrieden.

Denn ich hatte eine Verkettung kleiner Wunder erlebt. Sie hatten verhindert, dass eine von mir geplante Veranstaltung auf dem Kirchentag abgesagt werden musste. Lange hatten wir uns auf einen besonderen musikalischen Gottesdienst mit kirchlichen Partnern aus England vorbereitet. Entscheidend war natürlich der Chor und dessen wichtigste Person, der Dirigent, war zwei Tage vorher plötzlich erkrankt. Ich war wie am Boden zerstört. Den Chorsängern wurde abgesagt. Ich dachte: Also hängen wir ein Schild an die Kirchentür - "Veranstaltung fällt aus". Da rief ein Freund an, einer der englischen Partner. Er hörte sich alles an und riet mir, erst einmal die Ruhe zu bewahren. Vielleicht findet sich ein Weg, tröstete er mich. "Ob es musikalisch Spitze ist oder nicht, Hauptsache, wir feiern miteinander einen schönen Gottesdienst."

Sein Trost tat mir gut. Dann bekam ich eine E-Mail. Einer der Sänger hatte die anderen Teilnehmer angeschrieben, wer denn trotzdem mitsingen würde. Er wäre bereit zu dirigieren. Ich war beeindruckt vom Mut dieses jungen Mannes. Seine Frage wurde über soziale Netzwerke weiterverbreitet.

Da kamen auch mir Ideen, wen ich anrufen könnte. Und siehe da, alle sagten zu. Als der Termin heran gekommen war, standen 26 Sängerinnen und Sänger auf dem Podest. Alle waren begeistert dabei. Die Zuhörer spürten die besonders intensive Atmosphäre und genossen die Musik. Wir erlebten darüber hinaus eine enge Verbindung im Glauben zwischen Deutschen und Engländern, die gerade in Brexitzeiten so wichtig ist.

Das alles schoss mir durch den Kopf, als ich die Frage hörte: "Sind sie zufrieden?" Natürlich. Mehr als zufrieden, dankbar und glücklich war ich. Nie wäre ich mit einer perfekt geplanten Veranstaltung in dem Maße zufrieden gewesen. Jetzt aber hatte ich etwas vom Geist Gottes gespürt, der durch Menschen wirkt und Dinge zum Guten wenden kann. Ein Mensch hatte mir Trost gespendet. Ein anderer hatte Mut gehabt, Verantwortung zu übernehmen. Andere haben sich begeistern lassen. Tatsächlich hatte sich eine positive Atmosphäre ausgebreitet. Am Ende waren wir froh: wir haben es gemeinsam gut gemacht. Gott hat es gut gemacht. Zu Pfingsten gebe ich Ihnen die Frage weiter: Sind Sie zufrieden? Ich hoffe, dass sie beim Nachdenken auf besondere Wendungen zum Guten stoßen. Gottes Geist macht sich so bemerkbar, dass er uns das Gute sehen lässt.

Regionalbischof Propst Christoph Hackbeil.

 


 

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15.12.2017
Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden. Durch den Glauben verließ Mose Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.
Jesaja 54,4 Hebräer 11,27

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