Besser vom Frieden träumen

(09.08.2017) — Holger Holtz

Gedanken von Peter Eichfeld, Pfarrer der reformierten Gemeinde in Aschersleben. Wie geht es Ihnen, wenn Sie von der Eier-Mafia hören, die unsere Gesetze missbraucht, um möglichst billig zu produzieren (die ARD klärte uns gerade auf)? Wenn ich höre, wie unsere CSU-Minister für Landwirtschaft und für Verkehr mit den Konzernen Kumpanei treiben und sich Gesetzte diktieren lassen, die z.B. umweltschädliche Abschalteinrichtungen an Dieselautos legal erscheinen lassen (frei nach dem Motto: "Gewinne sind wichtiger als eine saubere Umwelt - nach uns die Sintflut!").

Mich macht das wütend.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie in den Nachrichten wieder Schreckensnachrichten aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak hören? Vom "ewigen" Konflikt zwischen Arabern, Palästinensern und Israelis, der sich nicht so leicht herunterfahren lässt wie ein paar elektronische Kontrolleinrichtungen abgebaut sind. Dabei geht es uns eigentlich in Mitteleuropa so gut wie noch nie. Trotzdem bin ich ratlos.

Und dann kommen Schlauberger und nenne eine Kirchenfrau politisch naiv, weil sie schon früh sagte: "Nichts ist gut in Afghanistan!" und damit die Konfliktlösung mit Waffen in Frage stellte. Wenn ich heute nach Irak, Syrien oder Afghanistan schaue, dann ist da fast nichts von den angestrebten Zielen erreicht worden. Im Gegenteil: der Terrorismus scheint aufzublühen. "Nichts ist gut in Afghanistan!" In Palästina sind wir von echtem Frieden unvorstellbar weit weg. Leider geht es manchmal auch in unseren Familien, Betrieben oder Kirchengemeinden nicht friedlich zu, da gibt es manch deftigen Konflikt, der festgefahren ist.

Mich machen diese nicht enden wollenden Konflikte ratlos. Da zweifle ich am Menschen. Sind wir eine Gattung in der Evolution, die überleben kann, die es verdient, zu überleben? Ich glaube: Das müssen wir erst noch beweisen. Ich bin nicht wirklich optimistisch. Die Autoren der Bibel wussten schon lange, dass wir alle nur wenige Schritte vom Brudermord entfernt stehen: Kain erschlägt Abel. Heute wie damals.

Der Prophet Jesaja hat vor langer Zeit vom Frieden geträumt: "Es wird (sein) zur letzten Zeit … Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." (Jesaja, 2. Kapitel) Die Sowjetunion hat daraus ein Mahnmal gemacht und der UNO gestiftet. Als wir Jugendlichen dieses Bild mit dem Bibelspruch "Schwerter zu Pflugscharen" auf den Parka nähten, wurden wir dafür von DDR-Vertretern angefeindet: Wie naiv wir wären. Das wäre doch eine Vision. Nichts für die Realpolitik. Und Bundeskanzler Schmidt im Westen meinte: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen."

Ich frage umgekehrt: kann man leben ohne Visionen? Wie soll es denn Frieden in Palästina geben, wenn man davon keine Bilder und Visionen hat? Soll der Frieden von alleine kommen? Von der Realpolitik? Die geht doch immer mehr in egoistische nationalistische Richtung: "Amerika first." "Deutschland zuerst." …

Ich möchte vom Frieden träumen. Denn ich brauche ermutigende Worte und Bilder wie eben jenes "Schwerter zu Pflugscharen." Ich glaube, wir brauchen Menschen mit viel Rückgrat, die vom Frieden träumen und dann in ihrem Lebensbereich Schritte in Richtung Frieden gehen. In diesem Sinne bin ich gerne etwas naiv und hoffe, dass Gott aus unseren Träumen vom Frieden und aus unseren kleinen Schritten zum Frieden etwas machen kann, dass wir kaum zu hoffen wagen: "Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

Pfarrer Peter Eichfeld, Aschersleben

 


 

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21.09.2017
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