Reformation: immer wieder neu anfangen können

(01.11.2017) — Holger Holtz

Gedanken von Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. "Im Anfang war das Wort." Welches Wort? werden Sie fragen, und: warum "im" Anfang? Es gibt unzählige Worte und oft viel zu viele. Doch hin diesem Satz aus der Bibel geht es nicht um eines unter anderen vielen Worten. Hier geht es um das Eine, das Sinn macht, um das Wort, das unserem Sinn gibt.

Es ist das wichtigste Wort in jedem Leben, das Wort ‚Liebe’. Und das ist nicht nur ein Wort mit fünf Buchstaben, es ist die kreative Kraft und Mitte des Lebens. Liebe ist eine Kraft, die von Gott kommt, denn, so heißt es weiter: "Und das Wort war bei Gott".

Von Gott kommt der Anfang. Aus Liebe hat er die Welt geschaffen. Und in Christus wird er Mensch und zeigt uns: Er will uns nahe sein, er will die Welt erhalten, auch wenn die Menschen immer wieder schwere Fehler machen. Darin liegt das Geheimnis des kleinen Wortes "im" bei "Im Anfang...": liegt ein wunderbarer Gedanke: Der Anfang bleibt. Er ist kein geschichtliches Datum, das weit zurück in grauer Vorzeit liegt. Vielmehr: Wir können immer wieder ‚auf Anfang’ gehen. Gottes Liebe ist die frische und schöpferische Kraft des Anfangs, kraft derer wir immer wieder anfangen können, weil sie uns nicht auf unsere Taten und Untaten festlegt. Sie bleibt und ist in allen Zeiten präsent. Sie gewährt Anfang, der Anfang bleibt Gegenwart.

Die Liebe sucht uns Menschen, braucht Sprache und Worte.

Das Wort der Liebe ist kein gewaltiges, das mich erdrückt oder mundtot macht. Es ist ein Wort, das mich entfaltet und wachsen lässt. Christen verstehen die Bibel als Gottes Wort.
Die vielen Worte der Bibel können aufrichten, Sinn geben und trösten. Aber sie können auch verwirren und ängstigen. Immer und immer wieder las Martin Luther in der Bibel. Zunächst fand er vieles, was ihn erschreckte und das Fürchten lehrte. Erst nach langem Suchen entdeckte er das erlösende Wort des Anfangs, das er so ersehnt hatte. Er fand die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes. Mit Freude konnte er dann sagen: "Gott ist ein Backofen voller Liebe."

Diese Wärme der Liebe Gottes ist da, auch wenn die Welt kälter wird. Jeden Morgen, an dem ich bleischwer und müde nicht so recht in den Tag komme - sie ist da. In jeder Situation, die verfahren und unlösbar scheint - der Neuanfang ist schon da.
Unser Leben steckt voller Möglichkeiten, sich immer wieder zu erneuern, sich von diesem Anfang her wieder neu formen und ausrichten zu lassen, das ist die Re-formation, die uns Gott anbietet.

500 Jahre Reformation: Ja, wir feiern ein geschichtliches Ereignis. Und indem wir es feiern, gilt: unsere Reformation, die wir persönlich, als Kirche und als Gesellschaft brauchen, ist noch ganz im Anfang.

Gut, dass wirt das Anfangswort der Liebe haben. Es möge uns den schweren Text unseres Lebens und unserer Welt entschlüsseln und verstehen lassen.

Gott hat sein schönstes Wort, das erste und das letzte Wort, das Wort der Liebe, für immer unserer Welt geschenkt.

Ilse Junkermann (Magdeburg), Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

 


 

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18.11.2017
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
Jesaja 9,1 Titus 2,14

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