Und dann?

(28.11.2017) — Holger Holtz

Gedanken von Pfarrer Johannes Heinrich, Oschersleben. Mich haben zwei Aufbahrungen sehr geprägt. Als Kindergartenkind durfte ich mich so von meiner Uroma verabschieden. Eine gute Erfahrung. Sie lag auf ihrem Bett. Ich sah, dass meine Uroma kein Leben mehr hat. Gleichzeitig wusste ich: irgendwie ist es gut. Mit 21 stand ich am offenen Sarg von Frère Roger (Gründer der Kommunität Taizé). Ein Mensch durch dessen Taten Liebe strahlten. Ich war mir sicher, ihn sehe ich wieder. Er wird erwartet.

Am Sonntag war im Volksmund "Totensonntag", eigentlich Ewigkeitssonntag. Genau darum geht es auch: Tod und Ewigkeit. Einem Thema das manchem unangenehm ist. Der Tod ist eine merkwürdige Sache. Eigentlich das Normalste der Welt - trotzdem versuchen wir ihn aus dem Leben rauszuhalten. Wer will schon über den Tod nachdenken, solange man fröhlich vor sich hinleben kann? Wer bahrt heute noch einen Verstorbenen zu Hause auf? Für die Trauer eigentlich eine gute Tradition.

Dabei ist der Tod sehr präsent. Versuchen Sie mal Nachrichten zu schauen, ohne dass auf irgendeine Art und Weise der Tod wenigstens eine kleine Nebenrolle spielt. Schwierig. Oder natürlich Filme. Was da gestorben wird! Manchmal mit Ernst und Schmerzen, manchmal als fröhliches Actiongemetzel.

Ich halte den Tod zu verdrängen für einen Fehler. Denn das mindert - so paradox es klingen mag - die Lebensqualität. Viele Menschen, die dem eigenen Tod schon einmal sehr nahe gekommen sind berichten, dass sie seit dieser Grenzerfahrung bewusster leben. In diese Richtung weist auch folgender Bibelvers: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden." (Ps 90,12) Ohne das Wissen um den eigenen Tod wird das Leben beliebig, gleichförmig. Sich des eigenen Endes bewusst zu sein gibt dem Alltag heute Tiefgang, Farbe, Geschmack.

Natürlich stellen sich dann viele Fragen. Was kommt danach? Warum glaube ich, dass das so ist? Werde ich nach meinem Leben auf der anderen Seite - wenn es eine gibt - erwartet? Und wie wird das so? Wird es langweilig? Wird da ein Gott auf mich warten? Zugegeben, keine einfachen Fragen. Für manch einen mögen es sogar genau diese Fragen sein, die ihn dazu bewegen, den Tod lieber beiseite zu schieben. Aber irgendwann muss sich jeder diese Fragen beantworten. Daran kommt keiner vorbei.

Mit guten Antworten lässt es sich fröhlich in den Tag leben! Die Gewissheit auf ein erfüllendes "Danach" befreit mich vom Druck heute alles mitnehmen zu müssen. Die Hoffnung geliebte Menschen wieder zu sehen, tröstet bei Abschieden. Und meine Erwartung, dass der zu Ostern auferstandene Jesus Christus dort auf mich wartet, nimmt allen heutigen Dunkelheiten ihren Schrecken.

Pfarrer Johannes Heinrich, Oschersleben

 


 

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23.01.2018
Der HERR war mit Samuel und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. Paulus schreibt: Von euch aus ist erschollen das Wort des Herrn nicht allein in Makedonien und Achaia, sondern an allen Orten hat sich euer Glaube an Gott ausgebreitet, sodass es nicht nötig ist, dass wir darüber etwas sagen.
1.Samuel 3,19 1.Thessalonicher 1,8

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