Bitte nicht stören

(12.12.2017) — Holger Holtz

Gedanken von Thomas Wiesenberg, Kreiskantor in Aschersleben. Meine Gedanken gehen zurück in meine Kindheit. Ich erinnere mich an Zuhause, dass an dem Arbeitszimmer meines Vaters manchmal ein kleines Schild von außen an der Tür hing mit der Aufschrift kustvoll mit schwarzer Tusche geschrieben "Bitte nicht stören". Dieses Schild war für mich und meine Brüder eine klare Ansage. Es hatte aber auch etwas Geheimnisvolles.

Viele Gründe kann es geben, nicht stören zu dürfen. So genau weiß ich bis heute eigentlich nicht, was mein Vater in dem Moment an Wichtigem zu tun hatte. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass ich auch oft solche Momente habe, in denen ich mir dieses Schild gern an die Tür hängen würde oder den Spruch mit den drei Wörtern aufs Handy als Ansageton sprechen würde.

Es kommt schon vor, dass der Terminkalender so voll ist, dass ich mir sage "und nun darf nichts mehr dazwischen kommen", weil da nichts mehr dazwischen passt. Und gerade dann, ausgerechnet dann kommt was dazwischen: ein nicht geplanter Zahnarzt-Termin oder eine wichtige Sache zum Erledigen, die man fast vergessen hätte.

Und genau in diesen Momenten fällt es mir wirklich schwer, mir eine besinnliche Adventszeit vorzustellen oder die Vorfreude auf Weihnachten zu spüren. Aber da gibt es doch noch diesen Aufruf an alle Flötenspieler, in einem riesigen gewaltigen Flötenchor in der Stephanikirche dieses schöne Adventslied zu spielen "Vorfreude, schönste Freude, Freude im Advent". Und wenn es dann noch heißt "Tannengrün zum Kranz gewunden", fällt mir ein, dass ich meiner Frau versprochen habe, dass der Adventskranz wenigstens bis zum 2. Advent fertig ist. Und heute wurde ich ganz offen gefragt, ob oder wie ich bei allem Stress - und die Adventszeit ist für mich tatsächlich die arbeitsintensivste Zeit des Jahre - während eines Konzertes die Ruhe bewahren kann.

Es ist schon fast wie ein Wunder, aber wenn ich dann mit dem Chor oder den Kindern Weihnachtslieder singe oder mit den Turmbläsern auf Weihnachtsmärkten oder vom Kirchturm Musik mache, kommt schlagartig auch in mir alles zur Ruhe.

Ich kann mich voll auf die schönen Klänge konzentrieren und merke, wie bei der Musik auch die zuhörenden Menschen diese Ruhe in sich aufnehmen. Es entsteht eine ganz besondere Atmosphäre der Stille, der Gemeinschaft, des Innehaltens. Und das ist noch etwas ganz anderes dabeizusein, als im stillem Kämmerlein unter Kopfhörern oder vor dem Fernseher ein Weihnachtskonzert zu genießen. Vielleicht soll es auch so sein, dass beim Genießen der adventlichen und weihnachtlichen Musik die eigene Unruhe "gestört" wird. Und vielleicht merkt man beim Hören oder Mitsingen auch, worum es dabei wirklich geht: dass Gott zu den Menschen gekommen ist, um ihnen zu zeigen wie Frieden geht, auch der innere Frieden.

In diesem Sinne wünsche ich allen, dass sie bei aller Hektik des Advent ab und zu auch mal "gestört" werden, um die wahre Weihnachtsfreude zu erleben.

Thomas Wiesenberg, Kreiskantor, Aschersleben

 


 

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Psalm 138,2 Johannes 17,26

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