Egeln-Nord

Wolfgang Löbe

Pfarramt Westeregeln
Martin-Luther-Platz 3
39448 Börde-Hakel OT Westeregeln

Fon 0174 3289924

 

Ev.Kirche St.Georg Egeln-Nord

Im Abendland sind seit dem 6.Jahrhundert Kirchen nachweisbar, die - wie die Kirche in Egeln-Nord - dem heiligen Georg geweiht sind.
Da der Heilige in einigen Herrschern eifrige Befürworter fand, stieg seine Verbreitung stark an. Kaiser Heinrich II. weihte dem Heiligen in seinem Bamberger Dom den Ostchor. Eine außergewöhnliche Verehrung wurde St.Georg seit dem Mittelalter auch in England zuteil, wo König Richard I. Löwenherz von 1190-1192 am dritten Kreuzzug teilnahm und dabei die Georgsverehrung kennenlernte. Georg wurde bald darauf zum Schutzpatron seines Landes.
St.Georg, dessen Namenstag der 23.4. ist, gehörte im Mittelalter zu den herausragenden Gestalten im Kreis der vierzehn Nothelfer; angerufen u.a. gegen Seuchen der Haustiere, des Viehs, sowie gegen Pest, Lepra, Syphilis, ferner gegen Giftschlangen (= Drachen) und Hexen. Er wurde sowohl in der abendländischen als auch in der byzantinischen Kunst dargestellt. Die byzantinischen Darstellungen bringen Georg vom 9.Jh. an als Soldat, in Hoftracht oder als Märtyrer. Im Abendland erscheint er stets als Ritter. Vor dem 12.Jh. finden wir hier keine Darstellungen, im 14. bis 16.Jh. ist ihre Zahl dann fast unübersehbar. Als Attribute zeigt der Heilige auf den Bildwerken Palme, Lanze, Schwert, Schild und Banner. Das Attribut, das ihm jedoch in besonderer Weise eigen ist, ist ein Drache zu seinen Füßen.

Der Drache tritt als Attribut des Heiligen vor allem in zwei Abwandlungen auf, entweder liegt er überwunden zu seinen Füßen (wie im Gemeindesiegel der Gemeinde Bleckendorf = Egeln-Nord) oder er erhebt sich gegen den Heiligen. Georg stößt ihm häufig seine Lanze ins Maul, in den Hals oder in die Seite. Das der heilige Georg zu den volkstümlichen Heiligen gezählt werden muß, zeigen u.a. einige mit seinem Namenstag verbundene Wetterregeln: "Sankt Georgs Pferd tritt den Hafer in die Erd."
"Auf Sankt Georgs Güte stehen alle Bäum in Blüte."

Auch die Gemeinde von Bleckendorf hat sich diesem Heiligen offensichtlich besonders verbunden gefühlt, da sie ihn als Schutzpatron für ihre Kirche(n) ausgewählt hat.

Die heutige Kirche St.Georg Egeln-Nord ist 1876 erbaut worden, und zwar über einem Kreuzförmigen Grundriß mit einem 5/8-Schluß des Chores im Osten und einem angesetzten Turm im Westen. Wir wissen ferner von einer Kirche aus dem Jahr 1706, und zwar durch eine an der Südseite der heutigen Kirche sichtbare Bauinschrift. Sie lautet:
"Anno 1706 ist diese Kirche erbauet unter Friedrich dem I. Könige in Preussen Victore Amadeo und Wilhelmo Fürsten zu Anhalt, unserer Kirchen Patronen, Christian Krullen, Oberamtmann in Egeln, Arnold Crügern, Pastorn hierselbst, Hans Fahrenbrüchen Schöppen, Christian Lehmänen, Hanuss Meveses, Kirch Vätern."

Durch die in diesem Jahr herabgenommene Turmbekrönung, die neben Zeitungen auch zwei Zeichnungen barg, kennen wir jetzt auch ihr Aussehen in Grund- und Aufriß.

Das Bild, das sich seit Jahrhunderten die Menschen von dem heiligen Georg machen, geht auf die bekannte mittelalterliche Legende von Jakobus de Voragine in der Legenda aurea zurück: "Georgius der Ritter war geboren von Cappadocischem Geschlecht; der kam einst in das Land Lybia, in die Stadt Silena. Nahe bei der Stadt war ein See, so groß als ein Meer, darin wohnte ein giftiger Drache, der hatte schon oft das ganze Volk in die Flucht getrieben, wann es gewappnet wider ihn zog. Dazu kam er bis unter die Mauern der Stadt und verpestete alles mit seinem Gifthauch. Also gaben ihm die Bürger täglich zwei Schafe, daß sie seinen Grimm stilleten; anders so kam er unter die Mauern der Stadt und verpestete die Luft mit seinem Gifthauch, daß viele daran starben. Als aber der Schafe wenig wurden und man ihrer nimmer genug mochte finden, kam man überein, daß man dem Wurm täglich opfern wollte einen Menschen und ein Schaf. Also warf man das Los, welchen Mann oder welches Weib man dem Drachen geben sollte; und niemand mochte dem entrinnen. Als nun schon fast alle Söhne und Töchter der Stadt geopfert waren, geschah es, daß das Los auf des Königs Tochter fiel, daß man sie dem Drachen sollte geben. Da ward der König traurig und sprach: `Nehmt mein Gold und Silber und die Hälfte meines Königreiches, aber laßt mir meine Tochter, daß sie nicht also jämmerlich sterbe`.
Das erzürnte das Volk und sie sprachen: `König, du hast das Gebot selber gegeben: Wir mußten alle unsre Kinder verlieren,und du willst deine Tochter behalten? So du an ihr das Gesetz nicht erfüllest, das du gegeben hast, verbrennen wir dich und dein Haus`. Als der König ihren Ernst sah, hub er an seine Tochter zu klagen und sprach: `Weh mir, mein Kind, was soll ich mit dir tun, was soll ich sprechen? Ach, nimmer werde ich deine Hochzeit sehen´. Und zum Volk sprach er: ´Ich bitte euch, laßt sie mir nur noch acht Tage, daß ich um sie klage`. Das gewährten sie ihm. Aber am achten Tage kam das Volk zu Hauf und schrie mit Zorne: ´Warum verdirbst du dein Land um deiner Tochter willen? Denn wir müssen alle von dem Anhauch des Drachen sterben´. Da sah der König, daß er seine Tochter nicht erretten mochte; und ließ ihr Königliche Kleider anlegen, umarmte sie und sprach zu ihr mit Tränen: ´O weh liebe Tochter, ich gedachte Königliche Kinder von deinem Schoße zu erziehen; nun wirst du von dem Drachen verschlungen. Ich dachte zu deiner Hochzeit edle Fürsten zu laden, das Schloß mit Perlen zu schmücken, Pauken und Trompeten zu hören; nun gehst du hin, daß dich der Drache essen soll´. Und küßte sie und rief: ´O Tochter, ich wäre besser vor dir gestorben, denn daß ich dich also muß verlieren´.

Da fiel sie zu des Vaters Füßen nieder und bat um seinen Segen. Den gab er ihr unter Tränen, und sie machte sich auf zum See. Da kam Sanct Georg von ungefähr dahergeritten, und da er sie weinen sah, fragte er, was ihr wäre. Sie antwortete: ´Guter Jüngling, steiget schnell auf euer Roß und fliehet, oder ihr werdet mit mir verderben´. Sprach Georg: ´Fürchte dich nicht, liebe Tochter, sondern sage mir, worauf du hier harrest unter den Augen alles des Volkes?´ Sie antwortete: ´Herr, ich sehe, daß ihr edlen Herzens seid, aber begehrt euch, mit mir zu sterben? Fliehet eilends von hinnen´.
Sprach Georg: ´Ich werde nicht eher von diesem Orte kommen, bis du mir sagst, was dir sei´.
Da erzählte sie ihm alles. Er aber sprach: ´Liebe Tochter, sei ohne Furcht, ich will dir helfen in dem Namen Christi´. Sie sprach: ´Guter Ritter,du sollst nicht mit mir sterben, es ist genug, so ich untergehe; denn retten magst du mich nicht,sondern du wirst mit mir verderben´. Da sie noch sprachen,siehe, hob der Drache sein Haupt aus dem See. Die Jungfrau zitterte vor Schrecken und rief: ´Flieh guter Herr,flieh so schnell du magst´. Aber Georg sprang auf sein Roß, machte das Kreuz vor sich und ritt gegen den Drachen, der wider ihn kam; er schwang die Lanze mit großer Macht, befahl sich Gott, und traf den Drachen also schwer, daß er zu Boden stürzte.
Dann sprach er zu der Jungfrau: ´Nimm deinen Gürtel und wirf ihn dem Wurm um den Hals, und fürchte nichts´. Sie tat es, und der Drache folgte ihr nach wie ein zahm Hündlein. Als sie ihn nun in die Stadt führte, erschrak das Volk und floh auf die Berge und in die Höhlen und sprach: ´Weh uns,nun sind wir alleverloren´. Da winkte ihnen Sanct Georg und rief: Fürchtet euch nicht, denn Gott der Herr hat mich zu euch gesandt, daß ich euch erlöse von diesem Drachen. Darum glaubet an Christum und empfanget die Taufe allesamt, so will ich diesen Drachen erschlagen´. Da ließ der König sich taufen und alles Volk mit ihm und Sanct Georg zog sein Schwert und erschlug den Drachen.
Darnach gebot er ihn aus der Stadt zu schaffen, und vier Paar Ochsen zogen ihn heraus vor die Stadt auf ein großes Feld. Es wurden aber an jenem Tage 20000 Menschen getauft, die Weiber und Kinder nicht gerechnet. Der König ließ der Jungfrau Maria zu Ehren und Sanct Georg eine schöne Kirche bauen, und auf dem Altar entsprang ein lebendiger Quell, der machte alle Kranken gesund, die daraus tranken. Sanct Georgen bot der König unermeßliche Schätze an, aber der wollte sie nicht nehmen, sondern ließ sie unter die Armen verteilen. Darnach gab er dem König gute Lehre und sprach, er sollte vier Dinge halten: daß er die Kirche in seine Hut nehme, die Priester ehre, fleißig Messe höre und der Armen sei eingedenk. Darnach küßte er den König und ritt hinweg."

 

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30.04.2017
Der HERR dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich. Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.
Psalm 136,23 Johannes 8,36

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