Egeln

Wolfgang Löbe

Pfarramt Westeregeln
Martin-Luther-Platz 3
39448 Börde-Hakel OT Westeregeln

Fon 0174 3289924

 

St. Christophorus Stadtkirche

Die Stadtkirche St. Christophorus erscheint erstmalig in einer  Confirmation  des Papstes Innocentius III. vom 9. August 1206, in welcher derselbe der Äbtissin zu Gernrode, Adelheidis de Burne, ihre Besitzungen bestätigt. Es heißt darin:"Egelen cum capella Abbatissae et tribus aliis ecclesiis", nämlich Egeln mit der Schlosskapelle und drei anderen Kirchen, der Stadtkirche, der Kapelle St. Petri auf dem sogenannten kleinen Kirchhofe und der Altemarktkirche.

Der Umstand, dass Egeln im Jahre 1206 mit vier Gotteshäusern auftritt, lässt den Schluss zu, dass das Christentum damals schon geraume Zeit hier festen Fuß gefasst hatte.

Die Stadtkirche war dem heiligen Christophorus geweiht, wohl mit Rücksicht darauf, dass über Egeln der Weg durchs Bodebruch führte.

Bei Eroberung der Stadt Egeln im Jahre 1267 durch den Herzog Albrecht von Braunschweig in seiner Fehde wider Otto Edlen von Hadmersleben, wurde die Kirche vollständig zerstört und 1270 von Grund auf neu errichtet. Dieselbe war mit Schiefer bedeckt und "winklig", vermutlich eine Kreuzkirche. Nach der Gründung des Kloster Marienstuhl war sie die einzigste "Leutekirche" in Egeln. Stadtkirche wohl deshalb, weil die Edlen von Hadmersleben die Siedlung Egeln mit weiteren Marktagen und Stadtprivilegien ausstatteten. Im Mittelalter hatte die Stadtkirche neben dem Hauptaltar noch mehrere Nebenaltäre. 

Der Altar St. Crucis, zu dessen Begabung 1330 die Brüder Werner und Otto (der Jüngere) von Hadmersleben 2 Hufen in Tarthun und eine Hufe in Egeln schenkten. 1345 stiftete Otto von Hadmersleben und seine beiden Söhne Otto und Gardun die Altäre St. Spiritus und St. Pauli, die sie ebenfalls reichlich begabten. Im Jahre 1557 wurde der Turm erneuert und 1559 die Zwillingshelme aufgesetzt. Zwischen den Türmen befand sich früher noch ein Kerkerartiger Vorbau der zur Türmerwohnung gehörte. Am Turmstumpf befinden sich auch noch 2 verwitterte Steintafeln auf denen man lesen konnte, dass 1557 Johannes Falke Pfarrer und Johannes Kesselhake Schulmeister in Egeln waren. Auf der anderen Tafel werden der Bürgermeister und Ratsherren (Radtmanne) genannt. Da das Kloster Marienstuhl auch nach der Reformation das Patronat über die evangelische Kirsche Stadtkirche behalten hatte, kam es nach 1650 vermehrt zu Beschwerden an das Kloster wegen des baufälligen Zustands der Kirche. Jahre 1701 wurde die alte Kirche vollständig abgerissen und an den alten Turm ein Kirchenschiff im Stile eines Bürgerhauses angebaut. Von außen sieht dieses wie ein zweistöckiges Haus, im Inneren erscheinen die Fenster jedoch durchgängig, nur von der Empore unterbrochen. Zum Bau der Kirche verwendeten sie die Steine der Vorgangskirche und die des ehemaligen Wartturms auf dem Schneckenberg (stand ungefähr dort wo heute der Wasserturm steht). Finanziert wurde der Kirchenbau vom Kloster und den 84 brauberechtigten Bürger der Stadt Egeln die jeder 4 Taler hierzu einzahlen mussten. Außerdem wurden für den Neubau verschiedene Legate gestiftet.

 Am 12. Januar 1703 wurde die Kirche nach 2jähriger Bauzeit eingeweiht und erhielt von nun an einen neuen Namen. Ob dies wohl geschah um den katholischen Probst Christoph Jordan, dessen Namenspatron ja der heilige Christophorus war, zu ärgern? Trotz seines Protestes hieß die Kirche zunächst St. Spiritus. Die Egelner nannten sie einfach nur Stadtkirche. Heute ist sie die Stadtkirche St. Christophorus. Aus der Vorgängerkirche wurden als Inneneinrichtung der alte gotische, vergoldete Altar, die Kanzel von 1605 und der Taufstein von 1615 übernommen. Im Jahre 1712 stiftete die Witwe Katharina Corvinius 200 Taler für den heute noch vorhandenen Hauptaltar. Eine Orgel besaß die Kirche nachweislich bereits im Jahre 1584. Dieselbe wurde jedoch mehrmals stark repariert und erneuert. 1847 stellte der Orgelbauer Reubke aus Haus-Neindorf die jetzige Orgel auf Oberwerk 9, Hauptwerk 14 , pedal 6 Stimmen, 1 Manual- und 1 Pedalkoppel.

In der Kammer unterm Turm soll an einer langen Kette eine 2,30m lange Mammuts- vielleicht auch Walrippe gehangen haben, vielleicht ein Reliquienstück des heiligen Christophorus.

Besonders ist auf den Taufstein hinweisen. Er trägt die Inschrift: "Johann Gvydon Bürger und Orgenis allhier von Orliencz bvertich (gebürtig) hat diese Tauf Gott zu Ehren und dieser Kirchen und Gemeinden verehrt." Vermutlich war dieser Johann Gvydon ein aus Frankreich vertriebener Hugenotte, von denen sich mehrere in dieser Zeit hier in der Region ansiedelten.  Da die Kanzel aus der Zeit stammt, wo Egeln dem Magdeburger Domkapitel gehörte (1605), so trägt der Schalldeckel derselben den heiligen Mauritius.

Zum Schluss noch etwas zum Namen dieser Kirche. Obwohl sie bei ihrer neuen Weihe im Jahre 1703 den Namen St. Spiritus erhielt, heißt sie nun wieder St. Christophorus. Wie wir ja aus der Geschichte wissen standen sich evangelische und katholische Christen nicht immer freundlich gegenüber. Erst in den Nöten des 2. Weltkrieges begannen sich die Pfarrer Strewe und Wedekind zu besuchen um über wichtige Probleme in ihrer Heimatstadt zu beraten und sich gegen die Nationalsozialisten zu verbünden. Hieraus entstand nicht nur eine intensive Freundschaft zwischen den beiden Pfarrern, sondern beide Konfessionen arbeiteten von nun an und insbesondere in der DDR Zeit, zusammen und sahen wieder mehr das Gemeinsame statt dem Trennenden. Von 1995-2005 wurde die Stadtkirche umfassend restauriert.
 

Pfarrhaus

Auch das, 1581, auf einer wüsten Hofstätte des Klosters erbaute Pfarrhaus, wurde zu Beginn der 90iger Jahre umfassend restauriert und dient seitdem auch als Sitz der Superintendentur des Kirchenkreises Egeln und dem Pfarrsitz der Kirchengemeinden Egeln und Egeln-Nord. Es ist das älteste erhaltene Wohnhaus der Stadt.


 

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30.04.2017
Der HERR dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich. Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.
Psalm 136,23 Johannes 8,36

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