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Sonntagsgrüße aus dem Kirchenkreis
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Evangelischer Kirchenkreis Egeln

Stadtkirchhof 2, 39435 Egeln

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Gebetskalender

Ettersberg bei Weimar.
Ich besuche die Gedenkstätte Buchenwald.   
Ich bin nicht zum ersten Mal an diesem Ort des Grauens.  
Und wieder macht es mich völlig fertig.    

Tausende Menschen wurden in diesem Lager
von den Nazis zu Tode gequält:  
Homosexuelle, Obdachlose,  
Menschen mit einer Behinderung,  
jüdische Männer, Frauen und Kinder,  
Menschen aus Polen, Ungarn oder aus der Sowjetunion...     

Ich sehe die lange Liste der Opfergruppen auf der Gedenkplatte.
Ich berühre die Platte. 
Sie ist sogar jetzt im Winter so warm wie meine Körpertemperatur, knapp 37 Grad. 
Als Zeichen für das, was uns als Menschen verbindet. Uns alle. 

Ich bete:  
O GOTT, hilf doch 
Gegen die Kälte in Menschenherzen  
Gegen Ausgrenzung  
Gegen Hass und Gewalt 

Hilf doch  
Gegen neu-alten Nazi-Sprech  
Gegen das Leugnen von Schuld 
Gegen das Vergessen     

Entzünde in uns das Feuer DEINER göttlichen Liebe  
Immer wieder 
Damit Menschenherzen warm werden  

AMEN 

Januar. Wir sind mitten im Winter, und es ist einfach nur kalt.
Und ich meine nicht nur draußen.
Die Kälte ist überall, wo man hinschaut, sie kriecht und schleicht, manchmal bis in die Herzen.
Darum hier mein Wintergebet: 

GOTT, draußen ist es kalt.  
Bitte pass auf alle auf, die frieren, die kein richtiges Dach über dem Kopf haben
oder die Heizung nicht aufdrehen können.
Schick praktische Hilfe und warme Gedanken zu ihnen.  
Mach mich aufmerksam, wenn ich jemandem mit einem heißen Kaffee oder einer Decke helfen kann. 

Manchmal fühlt sich das auch im Herzen kalt an:  
Streit, Enttäuschung, einfach nur Funkstille – das macht einsam.  
Hilf mir, wieder freundlich und fürsorglich mit meinen Leuten zu sein.  
Hilf mir, das Eis zu brechen, wo ich es allein nicht schaffe.  
Gib mir das Gefühl zurück, dass ich nicht allein bin. 

Manchmal, da sehe ich nur Probleme und keine Lösung.  
Dann sind auch meine Gedanken wie erstarrt. 
Ich werde dann manchmal zynisch und verliere den Mut.  
Gib mir einen kleinen Funken Hoffnung zurück.  
Zeig mir, dass nach dieser kalten Zeit auch wieder andere Tage kommen, 
die sich nach Zukunft anfühlen,  
und die Wärme mitbringen. 

Hilf mir, jetzt einfach durchzuhalten.  
Hilf mir, kleine Dinge zu genießen, die wärmen:  
ein gutes Gespräch, eine heiße Tasse Tee, und das Wissen, dass Du da bist, Gott. 
Ich warte auf den Frühling.  
Bis dahin: Halt mich warm - und alle, die frieren! 

AMEN 

Jetzt im Januar sind Internationale Dankeschön-Tage.
Das lässt mich aufmerksam werden, wie vielen Menschen ich etwas zu verdanken habe, jeden Tag. 
Viele treff ich gar nicht. Das Dankeschön bleibt ungesagt, ungedacht.
Davon möcht ich GOTT erzählen im Gebet: 

Was für ein Geschenk, Du mein GOTT,
Dankeschön für all die Menschen, bei denen ich mich für etwas bedanken kann.
Du kennst sie. Deshalb sag ich meinen Dank Dir. – Gibst Du ihn weiter? 
An die Wasserwerker: Dankeschön für die belebende Dusche heut‘ morgen und für den frischen Schluck aus dem Hahn.
Dankeschön allen, die dafür sorgen, dass es warm ist in meiner Wohnung, dass der Müll abgeholt wird, dass die Post in meinem Briefkasten landet, der Anruf auf meinem Telefon. 
Dankeschön an die Kaffeebäuerin, den Landwirt, die Bäckerin. – Für das leckere Frühstück auf meinem Tisch dank ich Euch. 
Nachbarn kommen zu Besuch, laden uns ein. Wenn wir unterwegs sind, gießen sie die Blumen. – Dankeschön, dass sie da sind! 
Ein besonderes Dankeschön sag ich Dir für die Liebste, für ihr fröhliches Gutenmorgen, für ihre Hände und ihr großes Herz. 
Oh ja, Dankeschönsagen tut gut, macht echt fröhlich. So reich beschenkst Du mich, großer GOTT. 
Darum mach mich aufmerksam, dass ich von Herzen Danke sage - nicht nur heute und nicht nur denen, die ich treffe. 
AMEN

Der 06. Januar könnte auch „Welt-Demuts-Tag“ heißen. Das würde manche Sicht verändern und unsere Augen für die Wirklichkeit weit öffnen. 
  
Von Demut erzählt die Geschichte von den Heiligen drei Königen. 
Sie sind auf der Suche nach einem von ihnen, nach einem neugeborenen König. 
Doch dann finden sie das Kind in der Krippe - im Stall von Bethlehem. 
Der Sohn einer einfachen jungen Frau und eines Handwerkers aus Nazareth. 
  
Allerdings kehren sie nicht empört um, sondern tun etwas absolut Außergewöhnliches: 
sie nehmen ihre Kronen ab 
und legen diese kostbaren Zeichen der Macht in den Staub. 
Sie knien voller Demut vor der Krippe nieder 
und beten JESUS an. 
  
Für eine solche Haltung will ich beten: 


JESUS, 
DU veränderst Menschen. 
Auch mich willst DU verändern. 
In DEINER Nähe darf ich spüren, 
dass ich nichts vorweisen muss, 
um vor DIR zu bestehen. 
Es genügt, 
mich voll und ganz DIR anzuvertrauen. 
Alles, worauf ich mir etwas einbilden könnte, 
lege ich ab. 
Nichts will ich mehr haben als DICH allein! 
Schau mich an, 
berühre mich, 
segne mich. 
 
AMEN 

Das neue Jahr hat begonnen – noch ganz frisch. Altes vergeht, und doch bleibt manches: Erinnerungen, Spuren, Erfahrungen.  Der Jahreswechsel ist kein klarer Schnitt, sondern eher ein sanftes Weitergehen – wie im Frühling, wenn Neues keimt...  

Heute dürfen wir innehalten, zurückschauen, loslassen oder auch bewahren. Und dann dürfen wir den Blick nach vorne richten, mit oder ohne Vorsätze, aber hoffentlich mit Segen auf den Wegen, die vor uns liegen. 
 

GOTT, 
DU begleitest uns durch die Zeiten –  durch das, was war, und in das, was kommt. 
Das alte Jahr liegt hinter uns, mit allem, was gelungen ist, und mit dem, was offen oder schwer geblieben ist.  
Nun beginnt Neues – nicht abrupt, nicht makellos,  sondern wie ein zartes Erwachen im Frühling. 
Hilf uns, achtsam zu sein für das Leben, offen für deine Spuren im Alltag- 
Bereit zu verbinden - Altes und Neues.  
Bereit loszulassen - wenn Altes nicht mehr tragen kann.  
Bereit zu vertrauen – den Wegen, die da vor uns liegen. 
Lass uns in diesem neuen Jahr immer wieder spüren: DU gehst mit – 
durch alle Zeiten, 
durch alle Tage, 
heute und morgen. 

AMEN

Wenn Altes geht und Neues kommt,
wenn alles bleibt, so wie es ist,
im Glück,
im Leid.
Die Zeit steht nicht still.
Sie geht voran.
So bitten wir dich, Gott, zu diesem Jahreswechsel:

Halte uns, wunderbar geborgen.
Begleite uns, welche Wege auch immer wieder gehen.
Stärke uns für die Herausforderungen.
Öffne unsere Herzen und Augen für das Unerwartete, für deine Wunder.
Und in all der Freude, in aller Hoffnung tanze du an unserer Seite durch das kommende Jahr.
Das bitten wir dich.

Amen

An der einen Stelle bröckelt die Wand,
an der anderen ist ein Balken gebrochen.
Das Dach aus Holzschindeln ist löchrig.
Kein guter Ort zum Verweilen,
erst recht nicht, um ein Kind zur Welt zu bringen.

Die Alten Meister waren keine Träumer,
sondern besaßen einen klaren Blick für die Wirklichkeit.
Daher stellten sie die Geburt Christi oft so dar,
dass Maria, Josef und Jesus in einem schäbigen Stall
zu sehen sind, der fast einzustürzen droht.

Dennoch geht von der Krippe
ein durchdringender und kraftvoller Frieden aus.
Und ein wärmendes Licht erreicht von dort unser Herz.

Lasst uns beten:

 

Jesus, sende dein Licht zu den Menschen,
deren Lebensgebäude Risse bekommen haben.

Sende dein Licht zu den Frauen,
die ihre Kinder dort zur Welt bringen,
wo Armut, Krieg und Terror herrschen.

Sende dein Licht zu den Männern,
die immer noch meinen,
dass Probleme mit Gewalt zu lösen sind.

Sende deine Wärme zu den Männern,
die immer noch glauben,
keine Gefühle zeigen zu dürfen.

Sende deine Wärme zu den Frauen,
denen in einer patriarchalen Gesellschaft
die kalte Schulter gezeigt wird.

Sende deine Wärme zu den Menschen,
die keine Lobby haben
und nicht gesehen werden.

Gott, lass es Weihnachten werden!
Stärke die Menschen guten Willens,
damit der Frieden auf Erden sich mehrt.

Amen.

Vielleicht kennen Sie das auch, das Gefühl der Einsamkeit.
Du fühlst dich wie ... ja, wie ein einsamer Vogel auf dem Dach
oder wie das Käuzchen in der Einöde.
Einsamkeit im Alter,
nach einer Scheidung,
oder durch einen Trauerfall
- Einsamkeit hat viele Gesichter.
Und sie macht so zerbrechlich.

Aber Beten kann ein Anfang sein, da rauszukommen.
Darum möchte ich heute mal für eine alte Klavierlehrerin in unserer Straße beten:

 

Ach Gott,
wieder steht sie am Fenster. Grau sieht sie aus, fast starr.
Wenn ich ihr zuwinken will,
verschwindet sie hinter der Gardine.

Kannst du uns beiden bisschen helfen?
Mir den Mut schenken, einfach mal bei ihr zu klingeln?
Mit einem Kuchenpäckchen unterm Arm?

Vielleicht könnte sie mir dann Weihnachtslieder vorspielen auf dem alten Klavier in ihrer Stube?
Oder wir können zusammen ein kleines Konzert planen für die Nachbarschaft?
Vielleicht kann sie sogar Igor ein bisschen Klavierunterricht geben, kostenlos? Wäre das nicht was?

Danke, Gott, für solche Ideen. Ich will gleich mal rüber gehen.

Danke und Amen.

Am 10. Dezember 1948 verkündeten die Vereinten Nationen in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren (Artikel 1)
Niemand darf diskriminiert werden, etwa aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand (Artikel 2)
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person (Artikel 3)

 

Gott, Du hast den Menschen zu deinem Ebenbild geschaffen.
Diese Würde ist mir eigen, unauslöschlich mit meinem Menschsein verbunden.
Und Du hast sie jedem anderen zugeeignet.

Gott, die Welt ist kompliziert geworden.
Jeder hat Angst um das Eigene.
Was bin ich noch, wenn ich neben jemanden anderem stehe,
nicht mehr sondern nur genauso viel wert?
Aber eben doch einzigartig.

Stärke mich, Gott, in dem Vertrauen, von Dir gewollt und gemacht zu sein.
Schenke mir Mut zur Begegnung und Partnerschaft.
Gott, das friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen
über alle Grenzen hinweg ist keine Fantasie, sondern reale Möglichkeit.

Lass mich nicht resigniert und müde werden.
Und gib mir die Weitsicht und die Gutgläubigkeit,
dass alles Engagement für die Menschenrechte bei mir selbst beginnt.

Amen.

Advent mag ich ja – eigentlich.
Und doch bin ich grad in dieser Zeit oft so gehetzt.
Finde kaum Ruhe, dass ich’s genießen kann.
Betet Ihr mit mir?

 

All meine Zeit schenkst Du mir, Gott. Dafür dank‘ ich Dir.
Jeden Tag darf ich öffnen, wie eine Adventskalender-Tür
– neugierig, was sich dahinter verbirgt.
Ach, schenk mir doch Ruhe,
dass ich anhalte, durchatme, lausche, wie das Leben grad klingt.
Öffne mir Augen und Herz, dass ich entdecke,
was leuchtet im Leben und mir und auch anderen Freude sein kann.

Wenn ich in eine Kerzenflamme schaue, werde ich still, kann genießen.
Genau so möcht‘ ich auf’s Leben schauen,
ruhig werden, mich freuen an dem, was Du mir schenkst:
Musik und Konzerte, Lichter im Dunkeln und Glühweinduft,
Menschen, mit denen ich mich verbunden weiß.
– Und Vorfreude auf Dich.

Amen.

In manchen Fußball-Stadien gibt es seit einiger Zeit einen Ort, wo Kerzen für verstorbene Clubfans angezündet werden können. Das war ein langer Kampf, weil ja offenes Feuer im Stadion eigentlich verboten ist. Aber die Fans haben dafür gekämpft. Weil sie einen Ort für Ihre Trauer brauchten.

 

Danke, Gott, dass wir zu Dir kommen können in der Not.
Du eröffnest einen Ort, der uns offen steht, ganz ohne Feuerschutzkonzept.
Hier nennen wir Dir den Namen der Person, die uns nahe war.

In Gedanken erinnern wir uns
an vergangene Zeiten und Freude, die wir erlebt haben.
Sie sind wie ein Schatz, der im Licht der Gedenkkerzen leuchtet.

Und wir trauern um die verpassten Chancen und Gelegenheiten.
Vieles ist offen geblieben.
Schenke Du uns Gott, einen Ort, wo wir zur Ruhe kommen.
Wo wir alles hin und irgendwie auch ablegen können.
Ein Ort, der über uns hinausweist und der erzählt von Wiedersehen und Ewigkeit.

Amen.

Vor ein paar Jahren dachte ich noch, es wären Einzelfälle, die Täter echte Monster, sofort von Weitem erkennbar. Wie pervers ist das denn, Kinder sexuell anzugehen, ihnen Schmerzen und Angst zuzufügen, hässliche Spuren in der kleinen Seele zu hinterlassen? Sowas ist absolut daneben. Und, Gott sei Dank, kommt das nicht oft vor, dachte ich.

Inzwischen weiß ich: Die Realität ist anders. Die hohen Fallzahlen sind erschreckend und nur die Spitze des Eisbergs.
Darum will ich heute, am Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt, für Kinder wie Nicole beten:

 

Lieber Gott!
Siehst du nicht die kleine Nicole?
Du weißt schon, das Mädchen mit den dunklen Augenringen aus dem fünften Stock.

Sie sieht so traurig aus
und redet nicht, auch in der Schule.
Schon wieder ist sie sitzengeblieben
und hat noch keine Freundin.

Schick ihr doch bitte einen Engel oder zwei, hörst du?
Jemanden, der zuhört und Mut macht
und zur Beratungsstelle geht.

Damit Nicole Hilfe bekommt
und irgendwann lachen kann wie andere Kinder auch.

Amen.

Nicht Fäuste ballen, sondern Hände falten!
10 Tage beten für den Frieden.
Jetzt während der Friedensdekade bin ich eingeladen,
meinen inneren und äußeren Unfrieden Gott zu bringen.
Und darüber hinaus für meine Familie und Freunde,
für meinen Ort und mein Land, ja für die ganze Welt zu beten.
Das will ich jetzt tun und lade Dich dazu ein:

 

Gott, Du siehst den Unfrieden in mir
– heile mich!

Gott, Du siehst, wo ich unversöhnt mit anderen lebe
– schenke den ersten Schritt und ein gutes Wort!

Gott, Du siehst die Zerrissenheit der Welt, die Kriege und all das Leid
– greif doch ein und wende die Herzen der Despoten, all derer, die ihre Macht über das Recht stellen.

Gib Frieden, Herr, gib Frieden!

Amen.

Neulich war ich zu einer Hochzeit – ein schönes, lebensfrohes Fest mit Liedern und Musik, mit Gästen, Sekt, Torte.
Die Braut saß im Rollstuhl, hatte einen unheilbaren Hirntumor.
Und doch konnten wir solch ein fröhliches Lebensfest feiern.

Möglich war das so, weil die Frau zu Gast war in einem Hospiz.

 

Oh, ich danke Dir, Gott, dass es solche Orte gibt,
die spürbar die Macht des Todes begrenzen.
Hochzeit feiern auch noch am Ende des Lebens
– ich glaub, das gefällt Dir, Gott.
Schließlich lädst Du uns doch genau zu solch einem Lebensfest ein dann bei Dir.
Wie gut, wie tröstlich, wenn wir uns mit diesem Geschmack auf den Lippen auf den Weg machen können.

Danke für die sanften Hände, die bis dahin helfen bei allem, was nötig ist.
Danke für das genaue Hören auf jeden Wunsch und alle Not.
Danke für das Schmerzmittel zur rechten Zeit und die große Ruhe, in der alles geschieht.
Danke Gott, dass es am Ende solch ein zu Hause gibt
– und für die Menschen, die es bieten.

Amen.

„Eine feste Burg ist unser Gott“
Früher habe ich dieses Lied gerne laut mitgesungen.
Ich fühlte mich sicher auf dieser Burg und kein bisschen einsam. Martin Luther war einer von uns, ein Vorbild in vielen Dingen.  

Und heute? Was ist los auf der Burg? Nein, sie bröckelt kein bisschen. Fest steht sie da seit eh und je. Nur die Burg-Bewohner:innen sind weniger geworden, leiser und verzagter.    

Reformationsfeste sind doch nicht nur Erinnerungsfeste an vergangenen Mut, oder?
Erinnert uns der 31. Oktober nicht alle Jahre wieder daran, dass wir Veränderung brauchen? Und dass wir Veränderung können?
Lasst uns beten!

 

Du unsere Burg, unser Zufluchtsort, auch wenn alles wackelt, hilf uns doch!
Hilf uns, Kirche zu sein, die nach vorn schaut, weil da Hoffnung leuchtet.

Hilf uns, Kirche zu sein für andere, Burgtore und Kirchentüren weit zu öffnen,
ohne Hemmschwellen, weil du nicht mit uns allein sein willst.

Hilf uns, auf Überflüssiges zu verzichten, auf Eitelkeit und Macht und Reichtum,
weil allein die Liebe deine Währung ist. 

Du unsere Burg, unser Zufluchtsort, auch wenn alles wackelt, hilf uns doch! 

Amen.

Kaum zu glauben, hätt ich nicht gedacht,
dass man im Rollstuhl so gut Basketball spielen kann.
Kaum zu glauben, hätt ich nicht gedacht,
dass ein Blinder so gut lesen kann mit den Fingern.
Kaum zu glauben, hätt ich nicht gedacht,
dass Gebärdensprache so vielsagend ist, auch für die, die hören.
Kaum zu glauben, hätt ich nicht gedacht,
wie wenig ich im Blick habe, was Menschen mit Behinderung brauchen.

Lenk mir den Blick, Gott,
dass ich nicht voller Mitleid schaue auf scheinbar hilfsbedürftige Menschen. Stattdessen lass mich entdecken,
woran es grad fehlt, dass sie selbständig teilhaben können am Leben:
die Hörschleife vielleicht oder die Rampe am Eingang,
der abgesenkte Bürgersteig oder das Buch mit großer Schrift.
Lass mich hinhören und im Gespräch sein mit ihnen.
Sie sind Gottes Bild so wie ich.

Amen.

Mich beeindruckt die Arbeit der Menschen, die bei der Tafel arbeiten. In meiner Nachbarstadt versorgt die Tafel 400 Menschen. Heute möchte ich für die Tafel in meiner Nachbarschaft und für die Tafeln im Land beten.

 

Gott der Fülle.
Wenn ich mich so umschaue, wirklich mal über meinen Tellerrand schau,
Gott, dann frag ich mich schon:
ist die Fülle immer so gerecht verteilt?

Du musst sie doch auch sehen,
die vielen Menschen, die täglich Schlange stehen,
um Gemüse und Mehl zu bekommen,
das wir gespendet haben, das irgendwo übrig war.

Gott, diese Ungerechtigkeit macht mich wütend.
Eigentlich müsste ich auch was tun.
So wie die vielen Ehrenamtlichen,
die diese Tafeln organisieren und am Laufen halten.

Ich bitte dich, segne all die Begegnungen dort,
segne die Menschen, die Unterstützung brauchen
und all die, die sich engagieren.

Segne uns, aus deiner Fülle.

Amen.

Die Stimmen sind ausgezählt, das Ergebnis verkündet. Ich meine die Wahl zum Gemeindekirchenrat in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Ungefähr 11000 Menschen waren zu wählen. Für diese Menschen möchte ich beten.

 

Gott,
Jetzt beginnt die Arbeit.
Gut, dass die Gemeindekirchentäte jetzt durch die Wahl beauftragt sind.
Das gibt Rückenwind.
Danke, dass so Viele den Auftrag annehmen.
Deine Gemeinde braucht eine gute Leitung.

Gib den „alten Hasen“ Kraft für die alltäglichen Aufgaben,
aber auch offene Ohren für das,
was jetzt dran ist und was vielleicht noch nicht da war.
Den „jungen Wilden“ schenke Mut, Neues auszuprobieren,
aber auch Respekt vor dem, was vor ihnen geworden ist.
Den Stillen gib den Mut, sich einzubringen, wenn es vonnöten ist.
Den Vorsitzenden schenke Weisheit und Güte.

Lass Deinen Wind durch die Gemeindekirchenräte wehen, Herr,
durch die Haushaltspläne und Strukturdebatten.
Gib uns allen die Gewissheit:
wir sind von Dir beauftragt,
wir sind in Deinem Namen unterwegs.

Amen.

Das ist ja offenbar so eine Sache mit der Einheit:
35 Jahre ist es her – aber so wirklich eins sind wir ja vielleicht doch nicht?

Die alten Unterschiede wirken so viel länger als gedacht, werden vererbt.
Wir schreiben sie einander zu, oft ohne genau hinzusehen.

Und auch sonst haben wir’s grad gar nicht so leicht, wirklich eins zu sein in unserem Land: Shitstorms, Hatespeech, verletzende Drohungen reizen die Stimmung, machen Angst und vergiften das Klima.

 

Ach Gott,
das tut weh,
wenn Ungerechtigkeiten nicht geheilt,
sondern weitergegeben werden.

Das tut weh,
wenn andere mir ein Etikett aufdrücken,
mich einsortieren, ohne mich zu kennen.

Das tut weh,
wenn jemand mich absichtlich verletzt.

Solcher Schmerz macht Menschen wütend und hart.

Davon gibt’s zu viel, Gott,
zu viel Hass und Hetze.
– Kannst Du das heilen?

Kannst Du uns helfen, dass wir einander
als Menschen sehen und gleiche Rechte zuerkennen?

Ach, hilf uns doch erkennen, was Gemeinschaft zerstört,
dass wir’s nicht großwerden lassen,
sondern bändigen und einhegen.

Wir gehören zusammen,
also lass uns füreinander da sein.

Amen.

Wir denken ja gerne an andere. Aber heute denken wir mal an uns. Wir beten auch einfach mal nur für uns.

 

Gott.
Ach, Du bist wunderbar groß und gütig.

Danke, dass Du uns siehst.

Dass Du hier bist bei uns.
Bei mir zuhause.
Dass du bei mir wohnst.

Segne mich.
Segne uns in unseren Gruppen und Kreisen.
Segne alle, mit denen wir verbunden sind.

Wir halten Dir hin, was uns bewegt.
Unsere Gedanken.

Du siehst auch unsere Potentiale.
Gott, Deinen Blick möchten wir mal haben, für einen Tag.
Wie Du uns siehst.
Danke, dass Du uns magst und erträgst.

Und dass Du uns inspirierst.
Immer wieder neu.

Amen.

Mein Lieblingsgeräusch ist Kinderlachen. Nichts erfüllt mich mit mehr Freude. Nicht festigt mich im Glauben an Frieden, Freiheit und Liebe mehr als das. Kinder sind meine Lieblingsmenschen. Schöpfung, wie sie gedacht war. Und sie brauchen besonderen Schutz. Eine Stimme in öffentlichen Debatten. Liebevolle Zuwendung.
Lasst uns beten:

 

Gott,
danke für das Lachen der Kinder,
das Strahlen in ihren Augen.
Ihre Weisheit, die unsere weit übersteigt.

Sie brauchen deinen Schutz am meisten.
Unseren Schutz.
Fürsorge.
Liebe.

Hilf, dass wir an ihnen nicht versagen.
Das wir sie uns nicht zurechtbiegen.
Ihnen Raum geben sich zu entfalten.
Ihren Blick auf die Welt ernst nehmen.
Ihnen ein sicherer Schutzraum sind.

Halte dein Hand Gott
über sie,
über uns.

Amen.

Schöpfungszeit bezeichnet im Kirchenjahr die Zeit zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober.  Wir sind dann dazu aufgerufen, für den Schutz der Schöpfung Gottes zu beten, uns auf unsere Verantwortung für sie zu besinnen und daraus praktische Taten folgen zu lassen. Dafür dürfen wir die Augen öffnen für die “gute” Schöpfung. Sie einsaugen und uns erfüllen lassen. Uns die Schöpfung ins Herz legen.

 

Gott,
ich atme dich ein.
Diese Gerüche.
Weich und würzig.

Ich sehe dich.
Diese Vielfalt.
Bunt und wunderbar gemacht.

Ich spüre dich.
Das kitzeln in meinem Herzen.

Du immer wieder neu erschaffenden Kraft.
Immer da.
In deiner Schöpfung.
Zwischen uns Menschen.
Schöpfungszeit.

Ich danke dir.

Amen.

Es gibt tatsächlich noch Leute, die wollen noch Pfarrer oder Pfarrerin werden! Krass! Eine Gruppe von jungen Frauen und Männer haben gerade ihr Studium abgeschlossen und entscheiden sich in diesen Tagen für diesen Beruf. Ich find das stark. Für diese jungen Menschen möchte ich beten:

 

Gott, es ist so wunderbar, dass du Menschen rufst,
damit sie Kinder taufen,
ein Ohr für die Seelennöte der Menschen haben,
mit Jugendlichen zu Freizeiten fahren und
Paare am vielleicht wichtigsten Tag ihres Lebens segnen
oder Trauernde beistehen.

Segne die Zeit des Vikariats, das jetzt beginnt.
Es ist alles da.
Erhalten ihnen die Freude an ihrem tollen Beruf.
Schenke Mut, Neues auszuprobieren.
Gib Menschen an ihre Seite, die sie immer wieder ermutigen und für sie beten.

Segne diese jungen Menschen!

Amen.

Pilgern,
einen Schritt vor den anderen setzen,
und noch einen und immer so weiter…
die Gedanken lösen sich und fliegen davon.
Irgendwann denke ich nicht mehr,
laufe nur noch.
Und von irgendwoher kommt ein Gebet in mein Herz:

 

Gott,
ich danke Dir,
dass Du mit mir gehst,
mich umwehst,
mir Sonne bist und Sternenlicht,
mich ruhen lässt und den Atem mir schenkst.

Gott,
ich bitte Dich,
dass den Weg ich finde
und ein Quartier zur Nacht,
dass ich habe Brot und Wein
und mir Menschen begegnen mit freundlichem Angesicht.

Gott,
ich bitte Dich,
dass Du ans Ziel mich kommen lässt, heute und morgen
und dass Du mich führst auch zum letzten Ziel
dann – am Ende meiner Tage.

Amen.