Der Tisch wird bereitet — Harzer Kirchengemeinde plant besonderes Altarbild
Das letzte Abendmahl gehört zu den bekanntesten Motiven der christlichen Kunstgeschichte. Unzählige Gemälde zeigen den Moment, in dem Jesus und seine Jünger gemeinsam am Tisch sitzen. Doch was geschah eigentlich davor? Wer deckte den Tisch, trug Brot und Wein herbei oder bereitete den Raum für das gemeinsame Mahl vor?
Es ist die Zeit der Vorbereitung zum gemeinsamen Abendessen. Jesus fegt kraftvoll den Boden, Johannes nimmt den Kehricht auf. Paulus und Jakobus tragen den letzten Tisch herein und mit einem großzügigen Schwung breitet Petrus die Tischdecke über den langen Holztisch aus. Das Leinentuch flattert einen Moment durch den Raum, als wolle es das späte Sonnenlicht einfangen, ehe es sich über das Holz legt. Simon streicht eine Ecke des Tuches glatt.
Die Szene lässt sich abseits des Motivs mühelos weitererzählen: Matthäus beginnt die Teller zu verteilen und stellt dann die Becher auf den Tisch, ganz sorgsam einen nach dem anderen. Thomas prüft noch einmal den Weinkrug und schüttelt den Kopf, weil Andreas schon heimlich ein Stück Brot nimmt. Philipp bringt eine Schale mit Kräutern herüber, Bartholomäus rückt die Stühle enger zusammen, damit alle Platz finden. Simon und Thaddäus diskutieren leise über die Menschenmengen in Jerusalem, während eine junge Frau mit Kind schweigend hilft. Die Vorbereitungen laufen Hand in Hand. Ein vertrautes Miteinander, wie bei einer großen Familie.
Judas Iskariot steht scheinbar unschlüssig im Türrahmen, sein dunkler Schatten fällt in den Nebenraum. Noch bevor das Abendmahl vorüber ist, wird Judas den Raum verlassen – und niemand außer ihm und Jesus ahnt, dass dies ihr letztes gemeinsames Essen ist
Ihre Spende ermöglicht der Kirchengemeinde, diese (Vor-)Geschichte zu erzählen.
Der Verrat an Jesus durch Judas Iskariot ist der dramatische Auftakt der biblischen Passionsgeschichte, also der letzten Lebensphase von Jesus Christus, und bildet den Ausgangspunkt für seine Verhaftung, Verurteilung und Kreuzigung. Deshalb wird dieses Ereignis immer wieder in Theologie, Kunst und Kultur aufgegriffen. Das „Letzte Abendmahl“ wurde von zahlreichen Künstlern eindrucksvoll dargestellt. Besonders berühmt sind dabei Werke von Leonardo da Vinci (1495–1498) und Tintoretto (1592–1594). Viele weitere Künstler haben diese Szene über die Jahrhunderte hinweg in sehr unterschiedlichen Stilrichtungen detailreich gestaltet.
Doch „die vorbereitende Phase des Abendmahls hingegen – also die alltäglichen Handlungen vor der eigentlichen Mahlzeit – wurde bildnerisch bislang kaum eigenständig thematisiert“, berichtet Georg Schmidt, Pfarrer von Neuplatendorf (Ev. Kirchenkreis Egeln).
Nun möchte der Künstler Sven Großkreutz, beauftragt von der Kirchengemeinde Neuplatendorf, den Kanzelaltar des örtlichen Gotteshauses mit drei Bildtafeln vervollständigen, die genau diese vorbereitenden Arbeiten zum Abendmahl darstellen. Damit schlägt er eine Brücke in die alltägliche Lebenswelt und knüpft an das an, was die Menschen von Neuplatendorf als zupackende Ortsgemeinschaft auszeichnet. „Ich finde es großartig, dass sich die evangelische Kirchengemeinde von Neuplatendorf auf dieses Altarbild eingelassen hat“, so Großkreutz.
Spenden für das geplante Altarbild erbeten
Um diese bislang nicht erzählte Perspektive vom letzten Abendmahl im Kirchenraum sichtbar zu machen, sammelt die Kirchengemeinde bereits seit dem vergangenen Jahr Spenden und lädt deshalb alle Interessierten, Kunstfreunde und Unterstützerinnen und Unterstützer kirchlicher Kulturarbeit ein, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Jeder Beitrag hilft dabei, dieses außergewöhnliche Vorhaben zu verwirklichen und ein neues Kunstwerk für kommende Generationen zu schaffen.
Weitere Informationen zum Projekt sowie die Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung finden sich auf der Internetseite des Evangelischen Kirchenkreises Egeln. Die Kirchengemeinde bedankt sich herzlich bei allen bisherigen und künftigen Spenderinnen und Spendern, die dazu beitragen, dass diese besondere Perspektive auf das Abendmahl künftig in ihrem Kirchenraum sichtbar wird.