Leseandacht für den 15. Sonntag nach Trinitatis
Der Mensch hat(te) die Wahl
Wie geht es Ihnen nach dem letzten Sonntag, an dem Sachsen- Anhalt die Wahl hatte? Ich bin entsetzt, enttäuscht und gläubig. In dieser Reihenfolge.
Entsetzt, weil nicht ganz die Hälfte der wahlberechtigten Bevölkerung unseres Bundeslandes eine Partei gewählt hat, die gesichert rechtsextrem ist und die in der ihr eigenen Demagogie und Wortwahl Rassismus und Unmenschlichkeit ganz an die Spitze ihrer umzusetzenden Ziele gesetzt hat.
Enttäuscht bin ich, weil offenbar zunächst viele Initiativen, Kampagnen und Bemühungen der demokratischen Kräfte in unserem Bundesland bei 44% der Sachsen-Anhalter nicht gefruchtet haben.
Gläubig bin ich (muss er ja sein als Pfarrer, werden Sie sagen) trotz allem immer weiter. Ich glaube daran, dass sich nach Zeiten der Unsicherheit, die sich in den letzten Tagen ja schon erkennen liessen, der gesellschaftliche Friede und die Verständigung (wieder) einstellen werden. Ich möchte selbst zu dem inneren Frieden beitragen, indem ich nicht den Hass und die Hetze, die uns im Wahlkampf begegneten, nun aus meinem Entsetzen heraus neu befeuere.
Jesus ist und bleibt mir da mit seiner Aufforderung, sogar die Feinde zu lieben (siehe in der Bibel: Matthäus Evangelium, Kapitel 5, ab Vers 43), ein ziemlich großer Horizont, von dem ich im kleinklein meiner Welt oft sehr sehr weit entfernt bin. Ich bin und bleibe Mensch voller Fehler. Ein katholischer Theologe unserer Tage, Christian Stoll, drückt es so aus: „Da wo ich andere in Schubladen stecke, sie vorschnell verurteile, fehlt die Liebe. Da wo ich mich nicht befreien kann aus dem Sumpf der Unzufriedenheit, fehlt die Freude. Da wo es in mir tobt, wo Stürme wehen, fehlt der Frieden. … Da wo nur mein Kopf zählt, fehlt die Großzügigkeit. Da wo ich nicht bereit bin, auch mal Spannungen auszuhalten, da wo ich weglaufe, fehlt die Treue. Da wo ich die Kontrolle verliere …fehlt die Selbstbeherrschung…“
So sind wir Menschen. Und genau so müssen wir lernen, miteinander (wieder neu?) zu leben. Ich gebe die Hoffnung darauf nicht auf, denn ich weiß darum das Menschen sich verändern können. Dafür bitte ich immer wieder im Gebet. Für mich selbst und für unser Bundesland. Und Sie ?