Leseandacht für den 16. Sonntag nach Trinitatis
„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7)
Es gibt ja eine ganze Menge von Worten, die wir aus dem Englischen einfach so übernommen haben. „Eingedeutscht“. Gerade in der Generation Smartphone gibt es Themen, die ohne englische Worte scheinbar gar nicht so richtig sagbar sind. Manche Worte haben wir aber auch als Deutsche ins Englische exportiert. Manche sind fast ulkig (Wussten Sie zum Beispiel, dass es im Englischen den Begriff „doppelganger“ gibt für Leute, die einander sehr ähnlichsehen?), andere müssten uns eigentlich zu denken geben.
Einer dieser „Exportschlager“ ist „angst“. „German angst“ ist die sprichwörtliche Angst vor der Ungewissheit der Zukunft, die dazu führt, dass man schon in der Gegenwart wie gelähmt ist. Und man kann ein Bisschen verärgert darüber sein, dass ausgerechnet diese Eigenschaft mit unserem Land verbunden wird. Andererseits: Es gibt gar nicht mal so wenig „angst“ in Deutschland. In Sachsen-Anhalt. Bei mir. Denn mal ganz doof gefragt: Muss einen die Ungewissheit der Zukunft nicht ängstlich machen? Wie will ich denn heute entscheiden, wenn ich nicht weiß, was morgen kommt? Ich will doch nicht bereuen…? Und darüber hinaus: Diagnosen, Verluste, Konflikte, heute schon aktuell: irgendwie wirft doch alles, was mich heute runterzieht, einen bedrohlichen Schatten auf morgen. Wer würde da nicht „angst“ bekommen, ohne als naiv oder kurzsichtig bezeichnet zu werden?
In einer Situation, in der es viel Grund gab, politisch, wirtschaftlich, sozial und religiös „angst“ zu haben, schreibt Petrus: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7)
Das wirkt fast zu einfach. Als ob die Sorge weggeht, wenn ich bete. Als ob Gott sich dafür interessiert, was mich beschäftigt. Hier kann keiner helfen – aber Gott, der kann wohl, oder was?
Das wirklich Krasse an dieser Ansage ist: Du bekommst nicht raus, ob etwas dran ist, wenn du es nicht probierst. Ob das wirklich stimmt, kann man erst beurteilen, wenn man es getan hat – und dann sagen kann: Ich hab’s probiert, war alles Käse. Oder: Das geht tatsächlich! Petrus ist das Beispiel eines Menschen, der das selbst getan hat und der deshalb diesen Rat weitergibt. Und ich kann mich einreihen in die große Gruppe von Menschen, die glaubhaft versichern: Gott hat nicht immer sofort den Anlass der Sorge weggenommen. Aber als ich mich an ihn gewandt habe, ist tatsächlich die Sorge in meinem Leben klein geworden.
In diesem Sinne: Herzliche Einladung zum Sorgenwerfen. Und wie genial wäre das, wenn es einmal den deutschen Exportschlager „German hoffnung“ geben würde…?
Gesegnete Zeit!
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