Leseandacht zum 17. Sonntag nach Trinitatis
von Hartwig Janus, Pfarrer im Evangelischen Kirchspiel Aschersleben
Das farbenfrohe Spektakel, ausgedacht in einem unserer Jugendvereine, war 2025 ausdrücklich gemeint als ein Beitrag für Offenheit und Demokratie. Es sollte auch abbilden, dass zum Beispiel Menschen mit Behinderungen und aus anderen Ländern selbstverständlich zu unserer Heimat gehören. Freilich – das war vor zwölf Monaten, in denen im Land viel geschehen ist.
Mir wird noch auf andere, bewegende Weise deutlich, wie seitdem die Zeit vergangen ist: Mehrere der ältesten Mitwirkenden sind inzwischen nicht mehr am Leben. „Schau mal: Da war er oder sie noch dabei!“ – mit genau solchen kostbaren Momenten hatte ich fürs Mitmachen geworben. Und wie gerne würde ich die kurzen Augenblicke in Zeitlupe abspielen, wo mittlerweile verstorbene Menschen im Bild sind, an die ich mich dankbar erinnere! Dann denke ich an Karten spielen, Singen, fröhliche und ernste Gespräche zurück.
Das ist nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, das ist wie eine kleine Vorschau auf den Himmel: „Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen“, sagt Jesus einmal zu seinen Freunden (Johannesevangelium 16, 22). Wie soll man denn sonst das wunderbar Unvorstellbare beschreiben, wenn man daran glaubt, dass es einen Himmel gibt, ein Wiedersehen, Heilung für die Wunden des Lebens, Versöhnung für das Zerbrochene, Vollendung für das Unfertige?
Der Opernkomponist Puccini hat das ewige Leben einmal als Walzer vertont. Ein Lipdub kann mindestens genauso ein kleines Stück vom Himmel zeigen, finde ich: Spielen, tanzen, Kissenschlacht und Feuerwerk, der Weg durch die Heimatstadt zu Fuß, per Rad oder mit dem Lieblingsauto - auch auf diesem Weg wirkt für mich eine Welt in meinen Alltag hinein, die größer ist als die gewohnte Kleinlichkeit, Missgunst, Hass und Gleichgültigkeit.
Der Ascherslebener Lipdub ist ja noch online. Ich schaue gleich mal wieder hinein. Und dabei werde ich mich daran erinnern, dass Gott diese manchmal so trostlose Welt mit einer frohen und kraftvollen Musik unterlegt hat.
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