Leseandacht zum 2. Sonntag nach Epiphanias
Auf dem Weihnachtsmarkt im letzten Jahr gab’s wieder Lebkuchenherzen. Ich versteh den Hype nicht ganz, aber irgendwie ist es doch auch süß, wenn jemand seiner Angebeteten so ein symbolisches Herz schenkt. – Stell dir mal vor, jemand kauft so ein Herz, zerbricht es in der Mitte, schenkt die eine Hälfte seiner Freundin und sagt: „Die andere Hälfte möchte ich halt gerne aufessen. Aber hey, immerhin…!“
Es gibt einfach Dinge, die kann man nicht teilen. Ein Herz, auch das eigene, das geht irgendwie nicht. Liebe geht nur mit ganzem Herzen – oder gar nicht. Weder kannst du mehr als eine Person mit ganzem Herzen lieben, noch kannst du eine Person mit halbem Herzen lieben. Das sind alles schlechte Nachrichten für jemanden, dem du das sagst: „Schatz, ich liebe dich und Sandra aus ganzem Herzen.“ Oder: „Schatz, ich liebe dich wirklich mit meinem kompletten halben Herzen.“ Das passt einfach nicht zum Konzept Liebe. So wollen wir nicht geliebt werden, so können wir nicht ernsthaft lieben.
Und genau deshalb will Gott so auch nicht geliebt werden. Und deshalb lässt er seinen Leuten ausrichten: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (5. Mose 6,5)
Eigentlich ist es verrückt. Gott benutzt ein Wort, das wir alle kennen und ersehnen, nämlich Liebe, um auszudrücken, wie er sich das vorstellt, das Zusammensein zwischen ihm und uns. Er sagt nicht: Unterwirf dich mir. Oder: Diene mir. Sondern er sagt: Das zwischen uns, das soll Liebe aus ganzem Herzen sein. – Wie geht eigentlich Liebe aus ganzem Herzen? Unter uns Menschen, wenn man Leute fragt, die sich damit auskennen, vor allem durch Sachen wie: Miteinander reden, einander zuhören, Zeit zu zweit verbringen, einander vertrauen zu schauen, was der andere mag und das zu tun. So oder ähnlich. Könnte es sein, dass Gott, wenn er sagt, dass er geliebt werden möchte, eigentlich nichts anderes meint als das? Dass er sich sehnt danach, dass wir mit ihm reden? Ihm zuhören? Dass wir Zeit mit ihm verbringen, die uns nichts und niemand nehmen darf? Dass wir lernen, was Gott so denkt, was er schön findet und dass wir das, was wir herausgefunden haben, auch zu tun…?
So stellt sich Gott den Menschen vor. Als einer, den man lieben kann. Als einer, den man wirklich kennen lernen kann. Vor allem aber als einer, der selber aus ganzem Herzen liebt. Jeden Menschen. Das kann er, weil er Gott ist und kein Mensch. Er liebt dich aus ganzem Herzen und sehnt sich danach, dass du ihn kennenlernst und herausfindest, wie liebenswert er ist. Und je besser ich ihn kennen lerne, desto mehr will ich ihn lieben, mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit mit ganzer Kraft.
Gesegnete Zeit!