20.12.2025
Leseandacht zum 4. Advent
Boten des Lichtes
Gestern gedachten die Menschen in Magdeburg und Umgebung des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt vor einem Jahr. Mit einem Gedenkgottesdienst, einer Gedenkveranstaltung, einer Lichterkette und Glockengeläut wurde an das unfassbare Leid der vielen Menschen erinnert, für die der 20. Dezember nie mehr ein Tag ungetrübter Freude sein wird. Wir können nur hoffen, dass denen, die an diesem Tag schweres Leid oder körperliche wie seelische Verletzungen erfahren haben, Hilfe zuteil wurde und wird.
Angesichts solcher Ereignisse bin ich froh, in wenigen Tagen an die biblische Verheißung erinnern zu können in der es heißt:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell….Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;… Jes. 9, 1+5
Während ich diesen Artikel schreibe kann ich nur hoffen, dass es viele waren, die sich auf den Weg machten, um mit einer Kerze in der Hand ein Licht in düsterer Zeit anzuzünden. Denn wenn Gott als kleines Kind menschliche Gestalt annimmt, dann bezeugt er damit, dass sein „großes Licht“ dadurch zu strahlen beginnt, dass wir selbst zu Boten des Lichtes werden. Solche Boten sind im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben bitter nötig. Wie soll es Licht werden, wenn da keine Menschen sind, die andere Menschen in Trauer und Entsetzen trösten und beistehen? Wie soll es Licht werden, wenn wir denen nicht widersprechen, die mit menschenverachtenden Worten andere Menschen herabwürdigen? Wie soll es Licht werden, wenn wir denen nicht Einhalt gebieten, deren Worte und Werke Unfrieden und Gewalt säen?
Ein Anschlag wie dieser ist und bleibt vollkommen sinnlos, aber hoffentlich nicht folgenlos. Die Gefahr ist groß solche Ereignisse - wie vor einem Jahr geschehen - für politische Forderungen zu missbrauchen, die mehr Dunkelheit statt Licht in unser Land bringen. Wenn Menschen pauschal diffamiert werden, wenn rechtstaatliche Grundsätze ausgehebelt werden sollen, wenn man das mühsame Ringen um einen Kompromiss durch diktatorisches Alleinregieren ersetzen möchte.
Der, dessen Geburt wir in wenigen Tagen feiern, hat uns dagegen gelehrt sehr genau hinzuschauen und niemanden aufzugeben. Was bewegt den Menschen neben mir? Wo sehe ich eine Gefahr, dass meine Bekannten, Kollegen, Freunde, abdriften in die dunklen Gedanken von Hass, Gewalt und Verachtung anderer.
Weihnachten ist nicht das Fest der Abgrenzung, sondern der Nächstenliebe und des Vertrauens, dass ein kleines Kind die ganze Welt verändern kann, genauso wie viele kleine Gesten der Boten des Lichtes. Also: „Mache dich auf und werde Licht, denn Dein Licht kommt.“