Leseandacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis
Freiheit und Unabhängigkeit
Heute feiern die Vereinigten Staaten Ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Seit 250 Jahren lebt der amerikanische Traum, dass „alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit“ (Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776). Wie gut, dass dieser Gedanke sich jenseits und diesseits des Atlantiks vielfach durchgesetzt und Demokratien begründet hat. Ich hoffe sehr, dass wir ihn auch heute nicht aufgeben! Dabei könnte ein anderer amerikanischer Gedanke helfen – John F. Kennedys Aufruf, nicht zu fragen, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.
Freiheit und Unabhängigkeit sind ohne die Verantwortung füreinander utopisch. Das wird mir auch im eigenen Leben bewusst. Sollte ich einen persönlichen Unabhängigkeitstag benennen, dann ist es – sie werden sich wundern – der Hochzeitstag, den meine Frau und ich vor 34 Jahren gefeiert haben. Damals haben wir einander zugesagt, uns zu lieben, zu ehren und unter allen Umständen einander beizustehen. Frei und unabhängig wollten und wollen wir bis heute in dieser gegenseitigen Verantwortung und der Verantwortung vor Gott sein. Ehrlich gesagt, kann und möchte ich es mir gar nicht anders vorstellen. Allein der Gedanke, was wäre, wenn meine Frau nicht meine zahlreichen Schwächen ausgleichen würde … Als Pfarrer darf ich immer wieder Menschen begleiten, die sich so einander versprechen. Das Brautpaar am vergangenen Sonnabend hatte dafür den folgenden Bibelspruch ausgewählt: „Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was dem andern dient“ (aus dem 2. Kapitel des Briefes an die Philipper). Wie schön, wenn zwei in diesem Sinne Freiheit und Unabhängigkeit füreinander statt voneinander suchen. Zum Glück!