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Leseandacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis

Jeder Mensch sucht nach Zugehörigkeit.

Jeder Mensch möchte dazugehören. Schon als Kind suchen wir nach Anerkennung, Freundschaften und einem Ort, an dem wir angenommen werden. Daran ändert sich im Erwachsenenalter nichts. Wir suchen Gemeinschaft – in Familien, Vereinen, Kirchengemeinden oder anderen Gruppen.
Doch Zugehörigkeit hat ihren Preis. Oft passen wir uns an, schweigen oder übernehmen Meinungen, um nicht anzuecken oder ausgeschlossen zu werden. Wer widerspricht, riskiert Ablehnung und spürt vielleicht den falschen Anpassungsdruck. So entstehen Gemeinschaften, die nach außen hin offener wirken, als sie tatsächlich sind.
Dabei leben wir in einer multikulturellen Gesellschaft. Kulinarische Vielfalt genießen wir ganz selbstverständlich, egal ob Frühlingsrolle, Pizza oder Rinderbraten. Im Umgang mit Menschen fällt es uns jedoch häufig schwerer, Vielfalt wertzuschätzen. Solange Unterschiede unser Leben bereichern, begegnen wir ihnen meist offen. Werden sie jedoch als tiefgreifend oder herausfordernd empfunden, suchen viele eher die Nähe von Menschen, die ähnliche Werte, Überzeugungen und Lebensweisen teilen. Wenn jedoch nur diejenigen willkommen sind, die uns ähnlich sind, verliert Gemeinschaft ihre Kraft. Das denke ich auch selbstkritisch.
Wo Vertrauen entsteht und Menschen bereit sind, einander zuzuhören, Unterschiede auszuhalten und Verantwortung füreinander zu übernehmen, kann Zusammenhalt wachsen. Ist das naiv? Vielleicht. Oder ist bewusste Naivität manchmal das Einzige, was dem wachsenden Egoismus etwas entgegensetzt? Ich wünsche mir den Mut zu einer neuen Kultur der Verständigung – mehr Zuhören, mehr Respekt und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.
Ein Kirchenlied aus dem Jahr 1975 bringt diesen Gedanken in einem eindrücklichen Bild zum Ausdruck: „Wo ein Mensch Vertrauen gibt, nicht nur an sich selbst denkt, fällt ein Tropfen von dem Regen, der aus Wüsten Gärten macht.“ (Text: Hans-Jürgen Netz)
Dieses Bild begleitet mich. Es erinnert mich daran, dass Gemeinschaft nicht dort entsteht, wo alle gleich sind, sondern dort, wo Menschen einander trotz ihrer Unterschiede Vertrauen schenken.
 
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten und erholsamen Sommer.
Ihr Carsten Miseler
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