Leseandacht,

14.02.2026
Leseandacht zum Sonntag Estomihi

Einfach zum Lachen

Ich wollte, da ich gerade in der Nähe war, nur schnell bei ehemaligen Kollegen Halt machen und Hallo sagen. Sie saßen gerade beim Kaffee im Pausenraum. Dankbar nahm ich auch eine Tasse an und ließ mich schwungvoll auf einen Stuhl nieder. Der Hinweis zum Stuhl: „Vorsichtig, nicht zu viel bewegen, der knackst schon!“ Es kam, wie es kommen musste: Kaum hatte ich mich angelehnt, brach er zusammen. Nach dem ersten Schreck erscholl ringsum lauthals Gelächter, in das ich mit einstimmte. Es ist etwas Befreiendes, miteinander über die eigenen Missgeschicke lachen zu können. In einem entspannten und wohlwollenden Umfeld – z. B. unter netten Kolleginnen und Kollegen – ist das „Über-sich-lachen-Können“ relativ leicht. Über die eigenen Missgeschicke lachen und schmunzeln zu können, über die eigenen Fehler und Marotten – das bedingt eine innere Stärke und hat viel mit dem eigenen Standing zu sich selbst und einem weiten Herzen zu tun. Wer über sich lachen kann, hat ein „Ja!“ zu sich gefunden – zu seinen Stärken und Schwächen. Was macht uns in unserem Selbstwertgefühl stark? Zum einen, wenn wir Erfolg haben, Dinge gelingen und andere uns und unsere Leistung wertschätzen. Zum anderen das Wissen und Erleben, dass Menschen in unserem Leben sind, die uns liebhaben – Menschen, denen wir wichtig sind, unabhängig von Können und Leistung, einfach um unseretwillen. Leider ist es in unserem Alltag Wirklichkeit, dass wir nicht nur Menschen um uns haben, die uns wohlgesonnen sind. Wir Menschen begegnen einander nicht nur mit Zuneigung und Wertschätzung, sondern auch mit Neid, Missgunst und Verachtung. Wir wünschen uns Achtung und Zugewandtheit, sind aber nicht selten selbst diejenigen, die unbarmherzig Lieblosigkeit verteilen. Dabei wissen wir doch ganz gut, dass, wer andere böse anschaut, böse Blicke oder Schlimmeres zurückbekommt, während ein Lächeln in der Regel auch ein Lächeln erntet. Wir wissen, dass Wertschätzung und Lob, Anerkennung und Freundlichkeit uns guttun und uns den Rücken stärken. Warum tun wir uns oft so schwer, den Menschen, mit denen wir zu tun haben, in diesem Sinne „Gutes zu tun“? Jesus sagt: „Behandelt andere Menschen genauso, wie ihr selbst behandelt werden wollt.“ Meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen hatten mich damals nicht ausgelacht, sondern mit mir gelacht – wir hatten ein gutes, wertschätzendes Miteinander in aller Unterschiedlichkeit. So wurde dieses Missgeschick zu keiner Peinlichkeit, sondern zu einer lustigen Erinnerung, weil klar war: Keiner will dem anderen etwas Böses, sondern nur Gutes. So fällt es natürlich leicht, über die eigenen Missgeschicke und Unzulänglichkeiten zu lachen.