Leseandacht,

07.05.2026
Leseandacht zum Sonntag Rogate

 „Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thessalonicher 5,18). 

Mit dem Frühling haben schöne Blüten, grüne Bäume und warme, sonnige Tage Einzug gehalten. Nach den langen Wintermonaten zieht es die Menschen wieder nach draußen. Cafés füllen sich, Kinder spielen bis in den Abend hinein, und selbst der Alltag scheint für einen Moment leichter zu werden. Die Regenschauer der vergangenen Tage sind dazwischen ein echter Dämpfer. Man merkt direkt, wie schnell die Stimmung kippen kann. Eben noch haben wir uns über die Wärme gefreut – und schon ärgern wir uns über das schlechte Wetter. Wir Menschen scheinen manchmal einen besonderen Blick für das zu haben, was fehlt, statt für das, was längst da ist. Dabei gäbe es so vieles, wofür wir danken könnten. Für den Duft der blühenden Bäume. Für Menschen, die uns begleiten. Für ein freundliches Wort. Für Gesundheit an gewöhnlichen Tagen, die uns oft selbstverständlich erscheinen. Für ein Zuhause. Für gedeckte Tische. Für all die kleinen Dinge, die wir meist erst bemerken, wenn sie fehlen.

Die Bibel erinnert immer wieder daran, wie wichtig Dankbarkeit ist: „Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thessalonicher 5,18). Das bedeutet nicht, alles schön zu reden oder Schwierigkeiten zu verdrängen. Auch Regen bleibt Regen. Sorgen bleiben Sorgen. Aber Dankbarkeit lenkt den Blick darauf, dass Gott und das Gute, das er für uns hat, viel größer ist als das, was uns gerade belastet. An anderer Stelle motiviert sich ein Beter: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2) Wie schnell vergessen wir das Gute. Wie leicht verlieren wir uns im Meckern über Kleinigkeiten. Dabei verändert ein dankbarer Blick oft mehr als die Umstände selbst. Der Wechsel von Sonne und Regen ist ein großartiges Bild für unser Leben. Nicht jeder Tag ist hell. Manche Zeiten sind schwer, unerquicklich oder traurig. Doch selbst dann gibt es viele Gründe für Dankbarkeit. Wer sich Zeit nimmt, für das Gute im Leben zu danken, wird schnell merken, wie auch ein verregneter Tag von Freude und einem leichten Herzen geprägt werden kann.

Jesus selbst lebte diese Haltung vor. Selbst vor der Speisung der Fünftausend dankte er zuerst für die wenigen Brote und Fische, die da waren – nicht für das, was fehlte. Und gerade daraus entstand Segen für viele. Ich wünsche uns, dass wir alltäglich mehr von Gottes Handeln sehen, Dankbarkeit leben und darin spüren, wie es uns uns, unser Herz, unsere Sicht auf unser Leben und letztlich unseren Umgang mit anderen positiv prägt.