Leseandacht,

07.02.2026
Leseandacht zum Sonntag Sexagesimä

Ganz Ohr sein

„Vielen Dank für dieses Gespräch, es hat mir richtig gutgetan!“, sagt die Frau, als ich mich verabschiede. Ich muss erstaunt geguckt haben, denn sie spricht gleich weiter: „Ich hätte nicht gedacht, dass mir so vieles wieder einfällt. Sie sind gar nicht zu Wort gekommen. Aber Ihre Fragen – da ging es ganz leicht. Und so fühle ich mich auch: erleichtert!“ Ich hatte tatsächlich nicht viel gesagt, das war auch nicht nötig. Sie hatte mich in ihre Welt mitgenommen, und ich habe vieles besser verstanden. „Das ist gut so. Ich habe Ihnen gern zugehört“, sage ich noch und verabschiede mich.

Die letzten Worte gehen mir nach. War ich zu schweigsam gewesen? Nein. Vermutlich macht genau das ein gutes Gespräch aus. Intensiv zuhören heißt „ganz Ohr sein“. Nicht nach wenigen Sätzen abschweifen, an die nächsten Termine denken oder im Kopf einen Einkaufszettel schreiben. Bei dem Menschen, seinen Bildern und Geschichten bleiben, der gerade vor mir sitzt, und nicht auf eine Gesprächspause warten, um sogleich meine eigenen Geschichten zum Besten zu geben. Mich hineintasten in die Gedankenwelt meines Gegenübers, auch wenn sie mir fremd ist, und nicht beim ersten Reizwort einhaken, das Gesagte kommentieren oder gar widersprechen.

Jedes gelungene Gespräch beginnt mit dem Hören. Jede Begegnung beginnt mit dem Hören. Wir hören so viele Worte im Laufe unseres Lebens, stärkende und verletzende Worte, verbindende und trennende Worte, ermutigende und zerstörerische Worte, Worte, die bewegen, und Worte, die lähmen. Darum möchte ich genauer hinhören und besser unterscheiden lernen. Ich will nicht nur den Lauten Gehör schenken, sondern auf die leisen Töne hören, denn oft sind sie es, die bedeutsam und hilfreich sind. Es gibt Worte, die bleiben besser ungesagt, und andere, die sind so wichtig, dass ich sie noch heute in meinem Herzen trage.

Solche Worte höre ich gern. Wohltuende Worte, die Mut machen, die Menschen miteinander verbinden, die mich und andere weiterbringen. Worte, die auch irritieren, aber gerade so eine Tür öffnen und helfen, mich und andere besser zu verstehen. Worte, die ich nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen hören kann.

Wenn Jesus sagt: „Wer Ohren hat, der höre“, dann meint er genau dieses innere Hören. Ein Hören, das nicht oberflächlich ist. Ein Hören, das Zeit hat. Ein Hören, das mitgeht und Neues eröffnet. Jesus redet oft in Gleichnissen und benutzt einfache Bilder aus dem Alltag, Vergleiche vom Säen und Ernten, vom Wachsen und Warten. Eine Einladung, Gottes Stimme in unserem Alltag zu hören.