Mit Vertragsunterzeichnung startet zweiter Bauabschnitt der Sanierung der St.-Pauls-Kirche Seehausen
Am 2. Juli wurde mit der Unterzeichnung des Städtebaufördervertrags zwischen der Stadt Wanzleben-Börde und der Evangelischen Kirchengemeinde Seehausen-Börde der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der St.-Paul-Kirche offiziell eröffnet.
Für die Stadt unterzeichnete Bürgermeisterin Grit Matz, für die Kirchengemeinde der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Stephan Jahns. Die Treffen fand mitten auf der Baustelle statt – das Gerüst am Westturm erinnert noch an den erfolgreich abgeschlossenen ersten Bauabschnitt.
Zu den Gästen gehörten unter anderem Landrat Martin Stichnoth, Pfarrer Ulf Rödiger als 2. Stellvertreter des Superintendenten, die Kirchenbaureferentin des Kirchenkreises Egeln Susann Bähre, der Vorsitzende des Fördervereins Kirchen Seehausen Thomas Leitel sowie der Architekt Carsten Sußmann, Büro Sußmann + Sußmann – Architekten und Ingenieure GmbH, Magdeburg. Letzterer stellte beim Treffen die geplanten Arbeiten am Gotteshaus vor und berichtete zugleich über die gewonnenen Erkenntnisse der bauhistorischen Forschungen.
Der erste Bauabschnitt umfasste die Sicherung und Sanierung des Westturms.
Für eine Überraschung sorgtendabei die Ergebnisse der bauhistorischen Begleituntersuchungen. Dendrochronologische Analysen des Büros für historische Bauforschung von Frank Högg (Wasserleben) ergaben, dass die im Bauwerk verwendeten Eichenhölzer bereits im Sommer des Jahres 1115 gefällt wurden. Damit ist die Kirche mehr als 30 Jahre älter als bislang angenommen und gilt nach heutigem Kenntnisstand als die älteste datierte Steinkirche der Magdeburger Börde.
Ein weiterer Glücksfund gelang im Westturm: Hier konnten vier romanische Zwillingsfenster freigelegt werden. Die durch eine schlanke Mittelsäule getrennten Rundbogenfenster waren bereits im Mittelalter zugemauert worden, wodurch die originalen Säulen erhalten blieben. Nach ihrer Freilegung ermöglichen sie heute wieder einen weiten Blick über die Landschaft der Magdeburger Börde.
Auch der Naturschutz spielte bei den Bauarbeiten eine wichtige Rolle. Die rund 20 im Turm lebenden Dohlenpaare sowie zwei Turmfalkenpaare konnten erfolgreich in eigens an den umliegenden Bäumen angebrachte Nistkästen umgesiedelt werden.
Die Kirche befindet sich im Fördergebiet der Städtebaulichen Gesamtmaßnahme „Lebendige Stadt- und Ortsteilzentren – Seehausen Stadtkern“. Für den zweiten Bauabschnitt hatte die Stadt Wanzleben-Börde Fördermittel aus der Städtebauförderung beantragt. Mit Bescheid des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt vom 22. November 2024 wurden die Mittel bewilligt. Die Städtebauförderung ergänzt damit die bereits bereitgestellten Gelder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und trägt maßgeblich zum langfristigen Erhalt des bedeutenden Kulturdenkmals bei.
Die größte Herausforderung des zweiten Bauabschnitts stellt die Sicherung des Baugrundes dar.
Aufgrund unterschiedlicher Bodenschichten unter der Kirche – unter anderem eiszeitlichem Geschiebemergel – kam es immer wieder zu Bewegungen im Untergrund und damit zu Rissbildungen im Mauerwerk. Diese verändern sich je nach Jahreszeit und Trockenheit des Bodens. Um umfangreiche Erdarbeiten zu vermeiden, setzten die Fachleute auf eine minimalinvasive Stabilisierung des Baugrundes. Mittels einer speziellen Injektionstechnikwird der Geschiebemergel verdichtet und verfestigt. Diese Maßnahme soll künftig weitere Setzungen verhindern und sowohl den Turm als auch das Kirchenschiff dauerhaft schützen.
Mit der neuen wissenschaftlichen Datierung gewinnt das Gotteshaus zunehmend an Bedeutung für die Landes- und Regionalgeschichte. Sie gilt inzwischen als Schlüsselbau für das Verständnis des frühen mittelalterlichen Kirchenbaus in der Region und liegt an Straße der Romanik. Langfristig verfolgen alle Beteiligten das Ziel, die Kirche nach der Sanierung für den Tourismus zu öffnen.
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