3. Sitzung der IV. Kreissynode

Kreissynode des Kirchenkreises Egeln tagt in Oschersleben

Das vorläufige Protokoll der Sitzung finden Sie hier.

Am Samstag, dem 28. März tagte die Kreissynode des Kirchenkreises Egeln in Oschersleben. 60 Synodale repräsentierten die 20 Kirchgemeindeverbände (Kirchspiele) und 53 Kirchengemeinden sowie die diakonischen Einrichtungen des Kirchenkreises.

Im Folgenden können Sie sich über die Inhalte der Synode informieren.

Pfr. Andreas Holtz, seit September 2014 Schulpfarrer für den Kirchenkreis Egeln, eröffnet mit Superintendent Porzelle die Synode mit einer Abendmahlsandacht. Diese Andacht stand in ganz besonderer Weise unter dem Eindruck des Flugzeugabsturzes in dieser Woche. Die 60 Kreissynodalen gedachten den Opfern und beteten für neue Wege, die die Hinterbliebenden nun ohne ihre Lieben finden müssen.

Regionalbischof Christoph Hackbeil ruft in seinem Grußwort auf, "andächtige Kirche im ländlichen Raum" zu sein. Dazu gibt es auch seitens der Landeskirche Material, wie zum Beispiel einen Gebetsentwurf zum Frieden für die Christen in Syrien und im Irak (den Aufruf finden Sie auf dieser Homepage unter dem Titel "Betet für uns"). Solche Ausdruckformen geistlicher Haltung müssten nur auch von den Christinnen und Christen vor Ort genutzt werden. Aus dem Nachbarkirchenkreis Halberstadt waren Superintendentin Zädow und Präses Hans Jörg Bauer gekommen. Sie luden dazu ein, die Halberstädter Erklärung "Vielfalt ist Reichtum" zu unterstützen, die infolge der Anschläge in Paris formuliert wurde. Darin wird zur Wahrung der Menschenrechte und zur Verpflichtung zu Frieden aufgerufen.

"Kirche im ländlichen Raum - wird alles weniger?


Im Mittelpunkt der Synode stand zweifellos der Vortrag von Dr. Thomas Schlegel, Leiter des Referats Kirchenmusik und Gemeinde im Landeskirchenamt Erfurt. Er wies darauf hin, dass die Mitgliederzahlen in unseren Gemeinden deutlich schneller sinken als die Einwohnerzahlen. In unserer Kirche wird vieles weniger: vor allem Menschen und Geld. Dies trifft besonders den ländlichen Raum, der unter den Magneten der Ballungsräume leidet.

Schlegel verwies auf Studien, nach denen in kleiner werdenden Gemeinden sich der Fokus auf die konzentriere, die in den Gemeinden noch da sind. Eine nach außen gerichtete Mission wird weniger in den Blick genommen.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland reagiert auf die Schrumpfung mit Stellenstreichungen, Vergrößerung der Pfarrbereiche sowie Senkung der Gottesdienstfrequenz - nur die Anzahl der Gebäude bleibt gleich. Die Rolle des "professionellen Nachbarn" Pfarrer verändert sich dadurch. Traditionelle soziale Aufgaben lassen sich nicht mehr aufrecht erhalten - der Verwaltungsaufwand bleibt bzw. wächst sogar noch an. Die Veränderungsprozesse führen zu qualitativen Problemen: Gottesdienstformen kommen an ihre Grenzen, Ehrenamtliche kommen in stärkere Rollen.

In der Regel richten sich Strategien darauf, dass (1) bisherige Strukturen stabil gehalten werden sollen und (2) Strukturen an die Wirklichkeit angepasst werden, was zeitverzögerter Rückbau ist. "Über diese Prozesse wird oft mit Wut oder Trauer gesprochen". Es gibt viel emotionale Reaktionen, Skepsis gegenüber neuen Ideen und Ratlosigkeit. Dr. Schlegel greift auf Erkenntnisse soziologischer Studien in Wittenberge zurück: "Es ist Zeit, Inventur zu machen und sich um das zu kümmern, was ist und bleibt."

Systemwechsel: Wie die Kirche sein wird entscheidet sich an der Haltung der mündigen ChristInnen vor Ort


Schlegel machte deutlich, dass es nicht einfach darum gehen kann, dass Ehrenamtliche nun zukünftig das übernehmen, was Hauptamtliche bisher geleistet haben. Das wäre der Versuch, das System weiterhin zu erhalten. "Wir stehen aber vor einem Systemwechsel." Kirche wächst aus Bewegung und nicht aus ihrer Struktur. Es sind mündige Christen vor Ort sind gefragt. Hauptamtliche können das, was schon immer so war, nicht mehr so durchführen.

Unsere Kirche befände sich in einem Zwischenland, so Schlegel. Zwischen Untergang und Aufbruch. In diesem Zwischenland wachsen neue Ideen. Einige gehen auch wieder ein. In diesem Wechselspiel  entstehen Bewegungen.

Beispiele anderer Haltungen in der Kirche ließen sich finden, wenn man über den Tellerrand schaue:
- Fresh Expressions of Church in England sowie in Holland. Kirche sein in neuem Sinn. Offene Häuser.
- Erlebniskirche in Wählitz (bei Zeitz). Kulturkirche auf dem Land. Ein altes Gebäude wurde modern wieder aufgebaut. Durch die Veranstaltungen wird im Sommer regelmäßig ein fester Kern angesprochen.
- Plattenbaukirchen - Treffpunkte in sozialen Brennpunkten
- Diözese Poitiers: ländliche Provinz, ähnliche Situation, wie hier. Entstehung von Basiskirchen in den Orten. Diese örtlichen Gemeinden sind die neue Organisationsform von Kirche, nicht die Pfarreien. Die Basiskirche besteht aus mindestens fünf Personen. Getaufte übernehmen Verantwortung für Verkündigung in ihren Orten.

Die Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hat im Herbst 2014 beschlossen: "Die Landessynode unterstützt das Anliegen und ermutigt, neue Gemeindeformen im säkularen Kontext zu erproben. Hierzu bedarf es einer großen Offenheit."

Dr. Schlegel sieht die Notwendigkeit, mit anderen Formen alternativ in die Zukunft zu gehen. Alternativ, nicht ausschließlich. Zweigleisigkeit sei in unserer Kirche möglich.

Schlegel schloss mit dem biblischen Bild der Verheißung: Als Kirche stehen wir in derselben Verheißung, wie sie Abraham und Sara galt. Sara war alt und doch wurde ihr verheißen, dass sie in einem Jahr ein Kind gebären würde. Man kann über solche Verheißungen lachen - wie Sara es getan hat. Gleichzeitig "darf einer Sara nicht das Lebensrecht abgesprochen werden, denn sie wird gebären (Paul M. Zulehner)". Unsere Kirche ist alt, aber ihr gilt ebenso die Verheißung - sowohl für das Alte als auch für das Junge.

Sondersynode im Mai oder Juni


Die Kirchenkreise Halberstadt und Egeln arbeiten zur Zeit an der Einrichtung eines Zweckverbandes für den Betrieb eines gemeinsamen Kreiskirchenamtes. Dessen Konzept benötige jedoch mehr Zeit als geplant, so Superintendent Matthias Porzelle. Dafür sei eine Sondersynode im Mai oder Juni nötig.

Finanzen 2014


Die Kreisynode hat die Rechnungslegung des Jahres 2014 in Höhe von gut 7.8 Mio € beschlossen. Demnach gab es im vergangenen Jahr 121 Orte in 20 Kirchgemeindeverbänden (Kirchspielen) und 53 Kirchengemeinden, so die Amtsleiterin des Kreiskirchenamtes Wanzleben, Susanne Trittel. Insgesamt gab es 48 MitarbeiterInnen im Verkündigungsdienst bei 32,92 Vollzeitstellen. Insgesamt waren 23323 Menschen Mitglieder unserer Kirche (Stand:31.12.2014). Im Kirchenkreis gibt es 130 Kirchen und Kapellen (185 Gemeindeglieder pro Gebäude). Dafür gab es 62 Bauanträge mit einer Erwartung von gut 1.5 Mio € - mehr als dort zur Verfügung steht.

Trittel bedauerte es, dass viele Kirchengemeinden trotz einer guten Haushaltslage noch immer nicht dem 2%-Apell folgen. Dieser ruft dazu auf, 2% des zur Verfügung stehenden Haushaltes für Aufgaben in der Weltkirche zur Verfügung zu stellen. Damit kann auf einfache Weise Solidarität mit den uns verbundenen Christinnen und Christen weltweit gezeigt werden. Dieser Aufruf ergeht aus der Synode an die Kirchengemeinden des Kirchenkreises, hier gegebenenfalls aktiv zu werden.

Die Tageskollekte der Synode wurde für die Hilfe von Christinnen und Christen in Syrien vorgesehen und betrug:363,37€. Sie wird der Syrisch-Orthodoxen Kirche zur Verfügung gestellt.

Downloads:

01 - Einladung zur Kreissynode
02 - Vorläufige Ablaufplanung
03 - Vorläufige Tagesordnung
04 - TOP 5.1: Rechnungslegung 2014
05 - TOP 8.1: Antrag des Synodalen Hannen zur Änderung des Artikels 39 Verfassung EKM
06 - TOP 8.2: Antrag des Synodalen Hannen zur Änderung des Artikels 62 Verfassung EKM
07 - TOP 8.3: Antrag des Synodalen Hannen zur Änderung des Artikels 81 Verfassung EKM



28.03.2015, Text und Fotos: Holger Holtz, Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Egeln, Büro: Stephanikirchhof 9, Telefon: 03473 888140, Handy: 01573-1679161, FAX: 03473 888141
Email: presse@kirchenkreis‐egeln.de, Internet: www.kirchenkreis‐egeln.de
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Bei Rückfragen wenden Sie sich an den Autor.

 

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