„Steh auf, wenn Du am Boden liegst“

(25.01.2018) — Holger Holtz

Gedanken von Horst Koth, Geschäftsführer der Klusstiftung Schneidlingen. Da stand er nun, der tüchtige Handwerkmeister. Der Bauherr der errichteten Gebäude hatte die vereinbarten Zahlungen für die erbrachten Leistungen nicht rechtzeitig geleistet. Seine Frau und seine Familie hatten kein Geld mehr. Auch wollten das Finanzamt und die Sozialkassen die ihnen zustehenden Beträge. Und so kommt es wie es kommen muss. Unser Handwerker meldet Insolvenz an und muss sein Anwesen räumen.

Der Bauherr zahlt natürlich nun erst recht nicht. Der Insolvenzverwaltung ist eingeschaltet und die Gerichte prüfen die diesbezüglich eingereichte Klage auf Zahlung der Forderungen. Aber das dauert…. Voraussetzung ist natürlich, dass die Gerichtskosten bezahlt werden können, also "Insolvenzmasse vorhanden ist".

Diese Entwicklung im Geschäftsleben ist typisch für eine Gesellschaft, in der der Einzelne sich nur noch selbst sieht. Egoismus und Gier herrschen vor. Jeder schaut sich nur auf den eigenen Bauch. Um seine Familie wenigstens mit dem Nötigsten zu versorgen, musste unser Handwerksmeister sich zu einem wesentlich niedrigeren Lohn Arbeit suchen, oder Grundsicherung beantragen. Und so erfolgt auch für ihn ein sozialer Abstieg "wie er im Buche steht". Er steht mit dem Rücken zur Wand, er hält sich für einen Loser, einen Verlierer, er ist seelisch am Ende. Ihm fehlt der Mut, Neues zu wagen. Die Verantwortung für seine Familie erdrückt ihn. Die Verzweiflung ist groß. Im Lied der "Toten Hosen": "Steh auf, wenn du am Boden liegst" kommen verschiedene Aspekte eines solchen sozialen Abstiegs und entsprechender Problemstellungen zum Tragen.

Doch wie soll ich aufstehen, wenn mir die Kraft fehlt, wenn ich verzweifelt und fix und fertig bin, wenn mir die Mittel fehlen, neu anzufangen, weil Menschen ihren Verpflichtungen mir gegenüber nicht nachkommen? Woher kommt mir Hilfe? Wie kann ich meine schwierige Situation bewältigen?

In diese menschlich sehr bewegende Situation hinein erlebten die Hirten des Weihnachtsgeschehens damals etwas sehr Sonderbares. Plötzlich erscheint Ihnen wie aus dem Nichts die Menge der himmlischen Heerscharen. Ihnen, den Diffamierten, den Ausgestoßenen, den Schwerarbeitern bei der Nachtschicht, den Multitasking-Arbeitern wird die Ehre zu Teil, Zeugen dieses großen Ereignisses zu sein. Da muss doch was dran sein mit der Geburt Jesu: "Das müssen wir sehen, da müssen wir hin" - so ihre Reaktion auf diese wunderbare Erscheinung. Die Botschaft der Engel ist für sie so wichtig, dass sie sogar ihre Arbeitsstelle verlassen. Alles andere zählt nicht mehr. Vergessen sind alle Ängste und Nöte, vergessen sind alle Widerstände und Widrigkeiten. Nur das eine zählt: Sie wollen das neugeborene göttliche Kind sehen. Hoffnung keimte auf. Sollte es einen Weg aus ihrem Dilemma geben; sollte es einen Weg für sie geben, um Neues zu wagen? Und sie machen sich auf und finden es genauso vor, wie es die Engel verkündeten. Sie huldigen diesem Kind in der Krippe und sind so motiviert, dass sie das soeben Erlebte allen Menschen in ihrem Umfeld umgehend weitersagen.

Und damit haben die Hirten ihre erste Lektion gelernt: Jesus schenkt einen neuen Anfang, ein neues Leben - auch uns heute. Dieses Kind verbreitet Freude und Hoffnung. Er schenkt neue Kraft, Zuversicht und Mut zum Leben - egal in welchen persönlichen, sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Situationen Menschen leben.

Die zweite Lektion der Hirten ist die, dass sie gemeinschaftlich handeln. Sie verkünden das, was sie gesehen und gehört haben allen, die nicht dabei waren. Sie lernen damit aber auch drittens, dass nur gemeinschaftliches Handeln und die Besinnung auf das, was sie selbst gut können, auch ihnen in ihrer Situation weiterhelfen kann. Sie sind füreinander da und haben gemeinsam die gleichen Ziele, um ihre Not abzuwenden. Jeder und jede hat eine Begabung, die er oder sie an dem Ort, an dem sie gestellt sind, einbringen kann.

Dieses Handeln der Hirten ist deshalb auch heute noch so zeitgemäß, vorbildlich und wichtig. Denn wenn wir zusammenstehen, wenn wir im füreinander und miteinander arbeiten und da sind, werden wir auch die Veränderungen und Herausforderungen, die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten unserer Zeit bewältigen können - und Neues wagen. Jesus sagte später einmal: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Darin liegt unsere Aufgabe und Berufung, unser Miteinander zu gestalten. Denn: Nur gemeinsam sind wir stark.

Herzlich grüßt Sie
aus der Klusstiftung zu Schneidlingen und Groß Börnecke
Ihr Horst Koth
Geschäftsführer

 


 

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Losung & Lehrtext

23.02.2018
Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Psalm 34,7 Matthäus 5,4

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