Symposium: Kirche und moderne Landwirtschaft

"Unser täglich Brot" - Kirche und moderne Landwirtschaft

Auftaktsymposium für Kirche und Landwirtschaft
24.02.2015, St. Christophorus Kirche, Egeln



Schon die Resonanz auf die Einladung zu diesem ersten Symposium war beeindruckend. 200 Teilnehmer, überwiegend Landwirte aus dem Kirchenkreis Egeln, füllten die St. Christophorus-Kirche in Egeln. Veranstalter war der Kirchenkreis Egeln, ein von der Landwirtschaft geprägter Kirchenkreis in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Superintendent Matthias Porzelle hatte namhafte Vertreter aus Landwirtschaft, Kirche und Politik eingeladen. Gekommen waren Regionalbischof Chrisptoph Hackbeil, Landwirtschaftsminister Hermann-Onko Aeikens, DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer und Sigrun Höhne, Beauftragte für den kirchlichen Dienst auf dem Land in der evangelischen Akademie Wittenberg.

In seiner Predigt zu Beginn betonte Regionalbischof Christoph Hackbeil, dass Bauern heute nicht so gesehen werden, wie sie wirklich sind. Sie seien zu wenige um für Wahlen bedeutend zu sein, nur Zahlen für die EU und gesellschaftlich werde der Blick auf sie verzerrt durch Fersehsendungen, wie "Bauer sucht Frau". Gott schenkt uns ein besseres und ehrliches Ansehen dem wir vertrauen können.

Landwirtschaftsminister Aeikens führte in seinem Grußwort aus, dass Kirche und Landwirtschaft miteinander reden müssen. Boden ist Gottes Schöpfung. Es gelte ihn zu bebauen und zu bewahren. Das Land Sachsen-Anhalt ist selbst auch Landverpächter. Dort wie in der Kirche, konstatierte er, sei es unmöglich, allen gerecht zu werden. Er wünscht der Kirche gute Fortschritte hinsichtlich eines Kompromisses bei den Vergaberichtlinien. Aeikens betonte, dass sich weltweit das Konsumverhalten verändert. Dies stellt die Landwirtschaft vor Herausforderungen. Landressourcen sollten durch die Landwirtschaft für die Nahrungsmittelproduktion und nicht für die Produktion von Energie verwendet werden.
Auch Photovoltaik steht inzwischen in Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Flächennutzung. Sie gehöre aufs Dach und nicht auf das Land. Aeikens beklagte zudem den zunehmenden Aufkauf der landwirtschaftlicher Betriebe und Flächen durch externe Investoren. Der daraus resultierende Abfluss von Wertschöpfung aus Sachsen-Anhalt schade der Landwirtschaft vor Ort und verringere die Steuereinnahmen für das Land.
Hinsichtlich der ethischen Verantwortung der Landwirtschaft machte Aeikens deutlich, dass Verstöße gegen geltende Bestimmungen hart geahndet würden. Ein Berufsverbot gegen einen Tierhalter ist bereist ausgeprochen. Ein weiteres sei unterwegs.

Der Vorsitzende der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, hielt den Hauptvortrag zum Thema "Moderne Landwirtschaft und christliche Ethik"

Unser tägliches Brot - das sei eine zentrale Bitte des Vaterunsers. In ethischen Diskussionen sei es oft so, dass man - biblisch gesagt - den Splitter im Auge des Anderen sucht, anstatt den Balken im eigenen Auge.

Mit Blick auf die sich Weltsituation, in der jeder zweite Mensch hungert oder sich nicht richtig ernähren kann, stellen sich Christen die Frage, wie diese Situation verändert werden kann.
Einen Zugang zu Verbesserung findet Bartmer in der Ethik des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffers, nach der der Mensch den Auftrag hat, Leib und Natur zu erhalten. Als rationales Wesen bedient sich der Mensch der gottgegebene Gabe der Vernuft.

Mensch ist ein rationales Lebewesen, und braucht Vernunft in allen Dingen.
Der Mensch schließt also auch technologische Fortschritte ein, wenn sie der Vernunft nach, dem Menschen dienen und Leben erhalten.

Moderne Landwirtschaft, vom GPS-gesteuerten Traktor bis zur senorgesteuerten Fütterung, sei das Ergebnis einer vernünftigen Fortentwicklung der Landwirtschaft. Fortschritt müsse nachhaltig sein und dem Fortbestand der an den Rand ihrer Kapazitäten gekommenen Welt sichern. Hochtechnisierte Landwirtschaft habe heute nichts mehr mit Agrarromantik zu tun. Dasselbe in der Tierhaltung. Landwirte sind Unternehmer, die ethische Fragen stellen und sie nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit und Ökologie beantworteten.

Dementsprechend kritisierte Bartmer Forderungen einer ökologischen und historisierenden Landwirtschaft, die sich diesem Fortschritt in dem Wege stelle. Auch die Kirche drohe mit ihrer Haltung zu grüner Gentechnik oder lokalen Protesten gegen Massentierhaltung zu einer von vielen NGOs zu werden, die mit ihrer oft überspitzten Kritik, einem vernünftigen Fortschritt im Wege stünden. Bartmer kritisierte besonders Organisationen wie "Brot für die Welt", die mit ihrer Haltung der Vernunft mehr im Wege seien als ihr zu nutzen. Bartmer wünschte sich die Kirche nicht an der Spitze einer Protestbewegung, sondern als Mediator.

In der anschließenden Diskussionsrunde reagierte Sigrun Höhne, Beauftragte für den kirchlichen Dienst auf dem Land in der evangelischen Akademie Wittenberg, auf solche Aussagen und forderte eine Dissenskultur, in der gegenläufige Meinungen einander gleichberechtigt gegenüber stehen müssten. Vorsicht sei geboten, wenn man von "der Kirche" verallgemeinernd spricht. Es gibt Gemeinden vor Ort, den Kirchenkreis, die Landeskirche, kirchliche Beteiligungen an NGOs. Es müsse auf allen Ebenen auch gestattet sein, zu protestieren. Regionalbischof Christoph Hackbeil stellte dar, dass es kritische Vernunft gebe: vernünftige Gegenargumente und Intuition, die zum Handeln führt.

Landwirtschaftsminister Aeikens führt aus, dass technischer Fortschritt auch überzogen hat. So zum Beispiel im Überdüngen. Das hat zur Düngeverordnung geführt. Wenn es um die Bewahrung des guten Landes geht, geht es auch darum Zurückgehen als eine Möglichkeit zu sehen.

Carl-Albrecht Bartmer beklagte, dass wir zu oft über eine Landwirtschaft sprechen, die keiner mehr kennt. Landwirte haben versäumt, vor Ort die Verbesserungen in der Landwirtschaft den Menschen zu kommunizieren. Hier sehe er Nachholbedarf auch bei den Landwirten.

Alle waren sich einig, dass ein Forum, wie dieses Symposium ein hervorragender Weg ist, miteinander im Gespräch zu bleiben und einander besser zu verstehen. Eine Fortsetzung dieser Veranstaltung war von allen Seiten erwünscht.

25.02.2015, Holger Holtz, Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Egeln, Büro: Stephanikirchhof 9, Telefon: 03473 888140, Handy: 01573-1679161, FAX: 03473 888141
Email: presse@kirchenkreis‐egeln.de, Internet: www.kirchenkreis‐egeln.de


 

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