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11. Januar 2020 | Kirchenkreis Egeln
© Joanna Kosinska

11. Januar 2020

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
was ist von Weihnachten bei Ihnene übrig geblieben? Ich meine nicht die Reste im Tiefkühlschrank, die Plätzchen und Stollen, sondern das, was in der Seele bleibt: Erfahrungen, Erinnerungen, Hoffnungen. Und: taugt Weihnachte für den Allltag? Bleibt etwas, was uns im neuen Jahr trägt? Ein Gedicht von Gerhard Vallentin nimmt diese Fragen alle auf: 
1. Die Weisen sind gegangen. Der Schall verklang, der Schein verging,
der Alltag hat in jedem Ding nun wieder angefangen,
nun wieder angefangen.
Die einen werden sagen: “Zum Glück ist wieder Alltag- da gibt es Routine, da ist ein Geländer da, das einen durch den Tag trägt.“  Die anderen werden frgen: „was bleibt übrig- nur schöne Erinnerungen?“ Nein, Weihnachten ist mehr! Es ist die Begnung zweier Welten- Gottes und der der Menschen. G. Vallentin dichtet: 
3. Wie lässt sich das vereinen: der Stern war da, der Engel rief,
der Schäfer mit den Weisen lief und kniete vor dem Kleinen,
und kniete vor dem Kleinen?

Gottes Kind- ein Menschenkind. So klein und so schutzbedürftig! In einer Welt, die sich seit  zweitausend Jahren -wenigstens in dem Punkt- nicht verändert hat. Und was ist da alles möglich! Der Weise und der Hirte vereint , die einer Sehnsucht folgen: dass sie das Kind finden, dass heil macht.G. Vallentin schreibt weiter:
4. Auch sie sind nicht geblieben, die beiden mit dem kleinen Kind.
Ob sie schon an der Grenze sind, geflüchtet und vertrieben,
geflüchtet und vertrieben? 

Die Mächtigen trachteten ihm nach dem Leben. Heute nehmen sie „zivile Opfer billigend in Kauf“ - wie zynisch wir geworden sind. Erschreckend, wie wenig sich in der Welt geändert hat.
Weiter heißt es im Gedicht:
5. Was soll ich weiter fragen. Ich habe manches mitgemacht -
wem trau ich mehr: der einen Nacht oder den vielen Tagen,
oder den vielen Tagen?

Gottes Idee ist klar: er wird ein Kind, um an unserer Seite zu sein. Nun sind wir gefragt. Trauen wir dieser Idee? Lassen wir Gott in unser Leben hinein? Trauen wir ihm zu, dass er mit uns geht und unsere Probleme lösen hilft? Lernen wir wahrzunehmen, dass er da ist? Trauen wir ihm zu, dass er die Welt rettet- allem Anschein zum Trotz? 
Gottes Angebot ist da. Wir brauchen es nur zu nehmen- anzunehmen. Mehr nicht. Ein Wagnis- vielleicht. Aber eins, was Heilung unserer Schmerzen verspricht. Und das ist es alle Versuche wert! 
 
Verfasserin: Pfarrerin Beate Mücksch